Mittwoch, 24. November 2010

Festgefroren

Ewigkeiten sind seit dem letzten Eintrag vergangen. Das liegt zum einen daran, dass sich hier so langsam der Alltag einschleicht und zum anderen, dass ich einfach etwas faul war. Die meisten Einträge brauchen gut und gerne mal 1 ½ bis 2 Stunden und wenn ich dann spät am Abend die Entscheidung zwischen Schlafen und Schreiben hatte, habe ich mich innerhalb der letzten 2 Wochen eher für’s Schlafen entschieden – ich bitte um Entschuldigung.

Die Arbeit im größten Skigebiet der kanadischen Rocky-Mountains ist nach wie vor gut und einfach – wenn auch leider nicht arbeitsreich momentan. Ich habe immernoch drei Mal in der Woche frei und an den vier Arbeitstagen komme ich gerade nicht über 5 Stunden pro Tag rüber. Es fehlen einfach noch die Kunden in der frühen Saison. Wer ist auch so blöd und fährt für 1 ½ Pisten in den Skiurlaub? Besserung ist jedoch in Sicht: An diesem Wochenende fängt der große Ski-Weltcup der Herren hier in Lake Louise an. Team Germany wurde gestern anscheinend auch schon in der Cafeteria gesichtet – vielleicht kann ich ja ein Autogramm mir unbekannter Menschen abstauben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Rennen am Samstag oder Sonntag auch im deutschen Fernsehen im Ersten oder ZDF ausgestrahlt werden, also ab vor den Fernseher!


Die Arbeit an sich hat sich eigentlich nicht großartig verändert, ich bereite nach wie vor überteuerte Speisen für die nächsten Tage vor, welche dann kaum gekauft werden. Wer bezahlt auch $8.65 für ein kaltes Sandwich, wenn man 3 Meter weiter einen warmen Hamburger für $7.70 bekommt? An zwei von vier Tagen arbeite ich übrigens auch alleine, weil meine Schichtleiter absolut nichts machen. Ah, ich hab mich geirrt, eine Stunde verbringen sie immer damit sich selbst irgendwas mega teures zu kochen. Ist aber gar nicht verkehrt, weil ich sonst noch weniger Stunden bekommen würde. Da ich mein Erspartes momentan eigentlich nicht anrühren möchte, ist feiern gehen so gut wie tabu. Aber es kommen in den nächsten Wochen definitiv wieder andere Zeiten.

Da ich so entspannte Arbeitszeiten habe, hatte ich in letzter Zeit extrem viel Zeit zum Ski fahren. Von mittlerweile 19 offenen Tagen, war ich ungefähr 14 Mal fahren denke ich. Demnächst müssten auch immer mehr und mehr Pisten eröffnen, denn z.B. vor einer Woche hat es beinahe 3 Tage durchgehen stark geschneit und insgesamt 40-50cm Schnee gebracht. Ohne wasserfeste Stiefel geht hier also gar nichts mehr. Sehr ungewohnt für einen Deutschen. Genau so ungewohnt sind die Temperaturen die hier mittlerweile herrschen. Da es gestern oben auf dem Berg -35°C hatte (gefühlt -50°C), konnte die Gondel einfach nicht mehr fahren und hat vielen Leuten, unteranderem auch mir, ganzschön den Skitag vermiest. Selbst hier unten im Dorf vor meiner Haustür hatte es gestern Nachmittag einfach mal -30°C. Als ich gestern Abend den Müll auf der Abend rausgebracht habe, sind glatt meine Finger an der Mülltonne festgeklebt – zum Glück hab ich es früh genug bemerkt und konnte Schlimmeres verhindern ;)


Was ich neben den Arbeitszeiten besonders gut an meiner Arbeit finde ist, dass ich an meinen Arbeitstagen eigentlich nur Zuhause frühstücken muss. Sobald ich ab 16 Uhr bei der Arbeit bin, kann ich mich eigentlich umsonst mit Sandwiches oder anderen Sachen ernähren. Dadurch kann ich jedenfalls etwas Geld sparen und kann mit nur 5 Stunden Arbeit pro Tag locker in folgendem Haus überleben:


Da wir auf dem großen Balkon vor dem Aufenthaltsraum zwei ziemlich große Gasgrills haben, hab ich beschlossen den „Barbecue-Sunday“ einzuführen. Auch wenn wir letzten Sonntag nur zu 3. waren, hab ich das Gefühl, dass da immer mehr und mehr Leute aus dem Haus hier mitmachen werden. War irgendwie schon lustig bei -25°C und Schnee draußen in der Kälte seine Steaks zu brutzeln. Um euch mal ein Bild davon zu machen wie kalt es ist: Während die Steaks gegrillt wurden, ist mein Toastbrot, sowie mein Wasser auf dem Tisch fast eingefroren. Ich hab’ ein gutes Gefühl, dass das hier noch ein ganz großes Ereignis in nächster Zeit wird.


Heute habe ich mich dazu entschieden mal nicht Ski fahren zu gehen, da es bei diesen Temperaturen einfach nicht so viel Spaß bringt zur Zeit. Außerdem konnte ich so die Zeit nutzen euch mal wieder auf dem Laufenden zu halten. Ab heute Nacht hab ich dann quasi wieder Wochenende und gehe wohl am morgigen Donnerstag in das benachbarte Skigebiet „Sunshine Village“ Ski fahren. Dieses hat zum jetztigen Zeitpunkt schon ein paar mehr Pisten geöffnet und ich kann die Gelegenheit nutzen einen Kumpel aus Banff wiederzusehen.

Achja, hier mal ein Blick aus meinem Fenster:


Haltet die Ohren steif! Unmöglich, es momentan hier zu unterlassen.

- Trulli





Freitag, 12. November 2010

Nachgedacht im Schnee

Freitag abend, normal die Zeit um auszugehen, abzuschalten und vermutlich bis in die frühen Morgenstunden wachzubleiben - nicht an diesem Ort. Was bedeutet es Wochenende zu haben, wenn man ohnehin jeden Tag ausschlafen und Spaß haben kann? Zumal die ungefähr 300 anderen Angestellten hier jeweils an verschiedenen Tagen frei haben und aus diesem Grund jeden Tag irgendeine Feier in einer der Wohnungen hier im größten Holzhaus Nordamerikas stattfindet.

Es ist schon eine völlig andere Welt in der ich mich momentan befinde. Ohne Stress, Probleme und Sorgen beginnt der Tag in einem der wohl atemberaubendsten Nationalparks der Erde. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich schneebedeckte Gipfel so weit das Auge reicht. Nach einem entspannten Frühstück mit den Schlümpfen und Bugs Bunny, geht es mit dem firmeneigenen Shuttle-Bus, welcher mich direkt vor der Haustür abholt, direkt rauf auf den Berg. Kurz in die Skischuhe geschlüpft, mit Arbeitskollegen ein wenig geplaudert - schon sitze ich im Lift und genieße nach weniger als 10 Minuten folgende Aussicht:


Die anfänglichen Schwierigkeiten sind völlig verschwunden und bei Gedanken an erstklassige vergangene 2 Monate genieße ich die sonnige Abfahrt in’s Tal. Während der Tag nur so an einem vorbeizischt, freut man sich schon auf den Nächsten.


Auch wenn ich momentan durch geringe Arbeitszeiten kein Millionär werde – ich bin einfach unglaublich dankbar dafür, eine längere Zeit an einem der vielleicht schönsten Orte der Erde verbringen zu können.

In diesem Zusammenhang - ein besonderer Gruß an meine Familie





Sonntag, 7. November 2010

Der Sandwich-Maker

Eine Woche ist nun schon vergangen seitdem ich zurück in Lake Louise bin. Nachdem, wie bereits gesagt, am Montag erstmal die äußerst langweiligen Einführungsseminare stattfanden, habe ich ja erstmal direkt 2 Tage frei bekommen. In den 2 Tagen habe ich relativ viel entspannt, weil einfach niemand aus meiner Wohnung in diesen Tagen frei hatte und der Berg ja noch nicht geöffnet war. Donnerstag sollte ich also gegen 9 Uhr morgens wieder in der Küche der „Whiskyjack Lodge“ antanzen. Nachdem sich mein Chef, sowie meine „supervisor“ kurz vorgestellt haben, wurden wir auch direkt in 3 Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe kocht in der Cafeteria der „Ten Peaks Lodge“, die zweite Gruppe ist in der Küche des Restaurants „Powder Keg“ und meine Gruppe ist quasi die „Vorbereitungs-Gruppe“. Mein Job besteht also darin Sandwiches, Muffins, Kuchen, Salate, Bagels, Wraps und einige andere Dinge für jeweils die nächsten Tage vorzubereiten. Die Arbeit ist ganz angenehm und das Beste ist einfach, dass unsere Gruppe Spätschichten hat. Klingt vielleicht etwas öde 4 bzw. 5 Tage die Woche von 16 Uhr bis 0 Uhr in der Nacht zu arbeiten, hat aber einen riesigen Vorteil: Die Skilifte sind jeden Tag nur von 9 Uhr – 16 Uhr geöffnet, d.h ich kann wirklich jeden Tag in der Saison Ski fahren gehen wenn das mit den Stunden so bleibt. So gute Arbeitszeiten hat sonst keine andere Abteilung auf dem gesamten Berg wurde mir gesagt.

Da der Schnee sich momentan doch sehr zurück hält, ist das Skigebiet momentan recht leer und es ist auch nur 1 von insgesamt 139 Abfahrten geöffnet. Aus diesem Grund hab’ ich diese Woche so gut wie überhaupt nicht arbeiten müssen. Donnerstag war der einzige Tag wo ich wirklich mal 8 Stunden dort war. Freitag waren es nur 1 ½ Stunden und Samstag 3. Das Gute ist, dass selbst wenn man nur 5 Minuten arbeitet, einem automatisch 3 Stunden aufgeschrieben werden. Ich war also nicht unbedingt traurig, als ich Freitag schon nach 1 ½ Stunden gehen sollte. Es ist momentan einfach unglaublich wenig zu tun, glaub es wurden nicht mal 100 von den 250 Sandwiches verkauft die wir Donnerstag gemacht haben. Vermutlich werden die Übergeblienen morgen an Mitarbeiter verschenkt und ich kann wieder mal ordentlich Geld sparen. Generell darf man während der Arbeit immer mal etwas von den Sachen essen und jegliche Getränke wie z.B. Sprite oder Tee sind gratis. Meine Arbeitskollegen und besonders mein Supervisor sind super gut drauf und aus einer 30-Minuten „Pflichtpause“ werden locker mal 60 Minuten.

In den letzten 3 Tagen hatte ich dann auch direkt die Chance mal Ski zu fahren. Freitag war ja die Eröffnung, welche nicht sonderlich groß gefeiert wurde. Ich hab mich natürlich auch direkt um 9 Uhr morgens mit in’s Getümmel gestürzt und nachdem ich 1 Minute gefahren bin, gemerkt wie ultra schlecht ich bin. Hab für die glaub etwa 3km lange Abfahrt einfach Ewigkeiten gebraucht und mich sicherlich 4 oder 5 Mal schön in den Schnee gelegt. Ist einfach wieder eine ganz andere Welt, wenn man in einer Skihalle mal die 400 Meter langen Pisten runterfährt oder wirklich mal auf einem richtigen Berg steht. Anscheinend haben meine Füße irgendwie eine unterschiedliche Form. Mein linker Fuß begann nach 3 oder 4 Minuten einfach unglaublich an zu schmerzen, sodass ich es bei 2 Runden am Freitag belassen habe, weil ich auch um 14 Uhr wieder arbeiten musste.


Samstag habe ich dann relativ lange ausgeschlafen, weil ich wieder erst um 14 Uhr arbeiten musste und sowieso wusste, dass ich heute (Sonntag) den ganzen Tag frei habe und richtig Ski fahren kann. Die Arbeit war dann auch um kurz vor 18 Uhr schon wieder vorbei, weil es einfach absolut Nichts zu tun gab. Heute hatte ich dann, wie bereits gesagt, den ganzen Tag frei und Leon ebenso. Das heißt wir haben den Nachmittag auf dem Berg verbracht und hatten einen echt guten Tag. Nach jeder Runde merk’ ich einfach wie ich besser werde und es dadurch natürlich auch wieder um einiges mehr Spaß bringt. Kurz vor 16 Uhr, während unserem letzten Lauf, hat es dann nochmal richtig stark angefangen zu schneien und auf der Piste konnte man kaum noch erkennen wo man hinfährt, weil auch noch eine ganze Menge Nebel dazu kam. Der letzte Lauf war aber dennoch der Beste, da die Piste kurz vor Schluss einfach viel leerer war. Glücklicherweise haben meine Füße heute auch ein kleines bisschen weniger als Freitag geschmerzt und das Fahren hat allein deswegen schon mehr Spaß gemacht.


Diese Woche hab’ ich wieder extrem gute Arbeitszeiten: Mo, Di, Mi, Sa jeweils von 16 Uhr bis 0 Uhr, also 3 Tage frei und trotzdem werde ich um einiges öfter Ski fahren können. Wenn ich morgen noch ein paar Sandwiches mitnehmen kann, wird das vermutlich eine echt gute Woche. =)

Also meinetwegen kann der „richtige“ Schnee kommen, damit es endlich mal mehr Abfahrten gibt. Aber bis es soweit ist, üb ich erstmal auf der Einen und schmier’ dennoch fröhlich meine Sandwiches.

Achja, ab morgen bin ich schon unglaubliche 2 Monate in Kanada - schon heftig wie schnell die Zeit vergangen ist.

Gruß vom stets glücklichen Autor dieser Seite





Montag, 1. November 2010

Schluss mit Reisen...

Nabend,

beinahe 1 Woche ist seit dem letzten Eintrag vergangen, höchste Zeit also den vergangenen Tagen ein paar Gedanken zu widmen.

Wie ihr wisst, bin ich am Sonntag nach einer 9-stündigen Autofahrt in Calgary angekommen und hatte auch eine super Unterkunft. Leider habe ich vergessen Fotos vom Haus zu machen, aber wie ich letztes Mal schon gesagt hab, war das Haus einfach nur unglaublich luxuriöus eingerichtet. Meine Gasteltern waren richtig nett und irgendwie hat man sich nach den 6 Tagen wie ein Familienmitglied gefühlt. Nach einer ersten erholsamen Nacht haben Leon und ich am Montag erstmal Calgary Downtown unsicher gemacht und uns vorallem nach Ski-Equipment umgeschaut. Was gibt es zu Calgary zu sagen? Im Vergleich zu Edmonton kommt einem die Stadt um einiges größer und moderner vor. Besonders Downtown wirkt einfach viel aufgemotzter und kapitalisierter. Andererseits fande ich Edmonton von der Landschaft her, besonders beeinflusst durch den Sasketchewan und diverser Parks, um einiges schöner.


Direkt am selben Tag hab ich dann auch schon neue Skier gefunden. Habe einen echt guten Deal geschossen und habe mir innerhalb der 6 Tage komplett alles für die Wintersaison zusammengekauft. Letztendlich bin ich unter meinem Budget geblieben und auch sehr froh darüber. Mittwoch habe ich meiner Gastmutter dann ein paar Stunden beim Garage ausmisten geholfen, da sie monatlich einen Garagenverkauf veranstaltet. Der komplette Gewinn geht an ein Dorf im Sudan und in den letzten Jahren hat sie tausende von Dollar nach Afrika geschickt. Die Sachen die sie verkauft, werden ihr immer von Bekannten usw. geschenkt, damit sie auch immer genügend Ware für ihre Verkäufe hat. Nur durch die Spenden von ihr war es möglich dort eine Schule für unglaubliche 600 Kinder zu bauen – eine super Sache wie ich finde!


Donnerstag war wieder mal ein besonderer Tag in Kanada. Wir entschlossen uns ein NHL-Spiel der Calgary Flames zu besuchen. 2 Tage zuvor hatten wir billige Tickets der schlechtesten Kategorie ergattert und sind somit für $22 pro Ticket zum Spiel in den „Scotiabank Saddledome“ gefahren. Obwohl wir fast unter dem Dach saßen, war es einfach nur eine super coole Erfahrung. Während die Sause nach einem Tor der Flames erst so richtig los ging, herrschte in der Zeit in denen keine Tore fielen, fast absolute Stille. Außerdem hatte man das Gefühl, dass die Hälfte der Leute dort nur zum Essen hingehen und um sich mit seinem Nachbar über irgendeinen Schnickschnack zu unterhalten. Naja, jedenfalls Leon und ich waren richtige „Fans“ und haben jede Sekunde mitgefiebert! Letztendlich hat es leider nicht gereicht und Calgary hat nach einem 3:1 Vorsprung am Ende noch 5:6 gegen Colorado Avalanche verloren. Aber actionreich war es allemal.


Freitag stand dann erstmal Arbeit auf einem Bau an. Leon half meinem Gastvater schon seit mehreren Wochen ein Haus zu renovieren und er hatte mich gefragt, ob ich nicht auch Lust hätte mal einen Tag zu helfen. 5 von 6 Stunden haben wir damit verbracht extrem schwere Abdämmplatten von der Straße hinter’s Haus zu schleppen. War schon ziemlich anstrengend aber immerhin hatten wir immer viel zu lachen und am Ende gab’s dann auch etwas Geld. Den Abend haben wir dann relativ gemütlich ausklingen lassen, weil wir uns nächsten Tag schon in den Bus nach Lake Louise setzen wollten.

Demnach war Samstag dann auch quasi der Tag der Tage. Wir konnten in unsere zukünftige Unterkunft für das vermutlich nächste halbe Jahr. Die etwa 2-stündige Busfahrt verging wie im Flug und aufeinmal standen wir dann schon in der riesigen Unterkunft unseres Arbeitgebers. Neben unserer 7-Personen-WG gibt es hier noch 36 weitere Wohneinheiten mit jeweils 5-7 Personen. Wohlbemerkt alles in einem riesigen Holzgebäude. Unser Zimmer ist eigentlich ganz cool. Es ist genau wie man es sich vorstellt, ein nicht sonderlich großer, aber ausreichender Raum mit 2 Betten und 2 Schränken.


Außerdem gibt es 2 Badezimmer mit jeweils einer Dusche und ein leider etwas klein geratenes Wohnzimmer mit 2 Couches und einem kleinen Fernseher. Also für $8 pro Nacht können wir uns eigentlich nicht beschweren. Hier in der Unterkunft gibt es auch einen riesigen Aufenthaltsraum mit 2 Billard-Tischen, sowie Tichtennis und ein großer Fernseher. Und im 3. Stock gibt es sogar noch ein hauseigenes Fitnessstudio. Ist schon ein gutes Gefühl, nach fast 2 Monaten seinen großen Rucksack mal komplett ausräumen zu können. Davon haben wir natürlich sofort Gebrauch gemacht und sind erstmal in das 60km östlich liegende Banff gehitchhiked um günstiger einzukaufen. Das war der teuerste Lebensmitteleinkauf meines Lebens: Zusammen haben Leon und ich um die $250 ausgegeben und hoffen, dass das Zeug nun erstmal für 2 Wochen oder so reicht. Achja, die Heimfahrt war dann sehr spaßig. Am Ende wog mein Rucksack über 30kg und war fast nicht mehr tragbar. Aber immerhin haben wir jetzt erstmal Dinge wie 12kg Nudeln/Reis. Achja, aufgrund des hohen Drucks ist in meinem Rucksack dann auch erstmal schön eine Cola-Dose geplatzt um euch mal ein Bild davon zu machen wie vollgeladen der Rucksack war.
Als wir gegen 22 Uhr zurückkamen waren bereits 3 große Halloween-Parties in Lake Louise in Gange. Obwohl wir heute das 1. Mal arbeiten mussten, sind wir dennoch losgegangen, da man sich ein nordamerikanisches Halloween wohl niemals entgehen lassen sollte. Schlau wie wir sind, sind wir da natürlich aufgrund von Kosten- und Zeitgründen ohne Kostüm aufgetaucht und waren auf beiden Parties auf denen wir waren so ziemlich die einzigen die so blöd waren. Abgesehen davon, dass es ein komisches Gefühl war, dass so ziemlich alle verkleidet waren und man selbst nicht, waren es dennoch zwei extrem gute Parties. Ich kann jedem nur raten, Halloween mal in Nordamerika mitzumachen und so schlau zu sein, sich dann auch jedenfalls ein bisschen zu verkleiden…

Nach einer kurzen Nacht, war der Tag gekommen, an dem meine Reisezeit vorerst enden sollte. Gegen 08:15 Uhr ging es mit dem Shuttle-Bus rauf auf den Berg zu Einführungsseminaren. Insgesamt 7 Stunden haben wir auf unseren Stühlen gesessen und unterschiedlichsten Personen bei Vorträgen zugehört. War schon relativ langweilig, aber am Ende muss halt eben auch der letzte Idiot kapieren, dass das Skiresort absolut kundenorientiert arbeitet. Wer hätte das gedacht? Lustigerweise habe ich jetzt schon wieder Wochenende und muss erst am Donnerstag wieder arbeiten. Schon ungewöhnlich irgendwie, weil die große Eröffnung bereits am Freitag ist und keiner von uns so wirklich weiß, was er dann genau zu tun hat. Ein bisschen mehr Training für den großen Tag hätte wohl sicher nicht geschadet – aber man wird sehen. Ich freu mich auf jeden Fall nach insgeamt 2 Monaten puren Vergnügens endlich mal wieder etwas Geld zu verdienen. Übrigens: Obwohl ich nur am rumreisen war, habe ich nur einen Bruchteil meines Geldes ausgegeben und sehr kosteneffizient gelebt. Ich kann mir schwer vorstellen, dass man mit noch weniger Geld in 8 Wochen auskommen kann als ich es getan habe. In 8 Wochen habe ich schließlich nur insgesamt 3 (!) Mal für meine Unterkunft gezahlt. Ich muss zugegeben, dass ich a) relativ viel Glück gehabt habe, jedoch b) extrem gut und vorrausschauend geplant habe. Man muss also kein Millionär sein, um unterschiedlichste Orte und Kulturen kennenzulernen. Nur ein kleiner Hinweis an die Personen, die es in Erwägung ziehen mal ein ähnliches Abenteuer zu planen.

Ich werde mich vermutlich nach meinen ersten beiden richtigen Arbeitstagen wieder zu Wort melden, jedoch vielleicht auch früher. Man wird sehen.

Schöne Grüße





Montag, 25. Oktober 2010

Als ich in meinen Klamotten schlief

Erschöpft und glücklich bin ich also seit Samstag Abend wieder Teil der Zivilisation. Der Kanutrip war einfach nur super abgedreht und wohl die Kanada-Erfahrung schlecht hin. Aber ich denke ich erzähl die Geschichte erstmal von Anfang an.

Freitag morgen gegen 8:30 Uhr ging es also los zu einem Kanuverleih in Saskatoon. Das ging auch relativ flott von der Hand und wir haben das Kanu einfach mal auf’s Dach von Nick’s Auto geschmissen. Das nächste Ziel hieß dann Waskesiu was etwa 250km nördlich von Saskatoon im Prince Albert Nationalpark liegt. Dort mussten wir uns dann anmelden, dass wir Kanu fahren gehen. Man muss sich das nämlich so vorstellen: Wenn wir uns innerhalb von 48 Stunden dort nicht wieder abmelden, gelten wir als vermisst und man wird nach uns suchen. Die Kanuroute lag nämlich weitere 50km von Waskesiu entfernt und war somit abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. In dem kompletten Gebiet haben sich sonst auch keine anderen Kanufahrer aufgehalten, da es draußen einfach schon sehr kalt war und die Saison zum Kanufahren normal vorüber ist. Achja, außerdem mussten wir uns noch die „You’re in black bear country“-Prospekte durchlesen, da es hier nur so von diesen wimmelt.

Gegen 12:30 Uhr stiegen wir dann endlich in’s Kanu und die Reise konnte beginnen. 2 Tage, in denen wir jeweils 5 Stunden im Kanu sitzen sollten lagen also vor uns. Nach etwa 15 Minuten Fahrt mussten wir auch direkt wieder aussteigen, weil wir den Fluss aufgrund von Stromschnellen wechseln mussten. Es hieß also das Kanu mit Hilfe eines Transportsystems 1km weit zum nächsten Fluss zu überführen. Hat ziemlich gut geklappt und danach ging es dann los auf der richtigen Route.

Obwohl das Wetter vorerst nicht sehr gut aussah, änderte sich dies asbald wir etwa eine halbe Stunde unterwegs waren. Die Sonne kam doch tatsächlich für etwa 2 Stunden nochmal richtig schön raus und bescherrte uns eine relativ angenehme Fahrt über einen der wohl größten Seen den ich je in meinem Leben gesehen hab. Als der erste große See dann überwunden war, begann die Fahrt einfach nur atemberaubend zu werden. Als wir mal nicht paddelten herrschte eine so unglaubliche Stille – glaub sowas habe ich vorher noch nie erlebt. Man hat einfach absolut nichts gehört, einfach nur Ruhe und wunderschöne Natur um einen herum. Außerdem war das Wasser so glasklar und all die Wolken spiegelten sich in diesem.


Zu dieser Zeit etwa verloren wir auch unsere Karte als Nick mich doch darum bat ihm diese über sein Paddel nach vorne zu geben…..ihr müsst euch das so wie in einem Film vorstellen, wo jemand etwas super „wichtiges“ wie z.B. ein 1-Million-Euro-Lotterie-Los durch eine Windböhe verliert. Wir haben danach etwa 1 Stunde non-stop gelacht, weil wir nicht fassen konnten wie dumm wir waren. Wir haben den richtigen Weg aber dennoch gefunden und kamen kurz vor 17 Uhr an unserem „Zeltplatz“ an. Es war so eine Art Halbinsel mit einer Feuerstelle wo bereits eine ganze Menge Feuerholz für uns zur Verfügung stand. Glücklicherweise hat es diesen und den Tag davor nicht geregnet, da das komplette Holz sonst durchnässt gewesen wär. Das Feuer war nämlich ungemein wichtig für uns, da es gegen Abend einfach schon locker 1°C draußen war.


Das Feuer war dann auch relativ schnell dank Birken-Rinde entzündet und hielt uns ungefähr bis 23:30 Uhr warm. Wir haben bestimmt 6 Stunden einfach nur rumgesessen, Suppe aus Dosen gegessen und sehr viel geredet. Gegen 20 Uhr war es nochmal richtig gruselig – etwa 5 Meter von uns entfernt fing es aufeinmal wie wahnsinnig mehrmals an im Gebüsch zu rascheln. Wir sind dann direkt aufgeschreckt und haben die Taschenlampe angemacht. Irgendein schwarzes Tier in Größe eines durchschnittlichen Hundes starrte uns für etwa 2 Sekunden an, bevor es in der Dunkelheit verschwand. Um ehrlich zu sein hatte man schon ziemlich Angst, weil es genau so gut ein hungriger Schwarzbär hätte sein können und wir ein paar Stunden vorher einfach mal 5 Wölfe zusammen rumlaufen gesehen haben. Glücklicherweise blieben wir danach aber von wilden Tieren verschont und konnten uns bei Minusgraden gegen 23:30 Uhr in unser Zelt zum Schlafen legen. Ich glaub’ es war das erste Mal, dass ich in meinen kompletten Klamotten geschlafen habe, weil es so unglaublich kalt war.


Nächsten morgen sind wir dann schon gegen 7 Uhr aus dem Zelt gekrabbelt. Und was war geschehen? Es hat die Nacht über geschneit und es war sogar immernoch am schneien. Noch ziemlich müde war einem dann natürlich auch verdammt kalt und hatte im Hinterkopf, dass das Wetter komplett zu Regen umschwanken könnte und wir schließlich noch locker 4 Stunden Fahrt vor uns hatten. Naja, kurz noch 1-2 Müsli-Riegel reingepiffen und los gings. Nach 15 Minuten kamen wir dann wieder an einem großen See an, den wir komplett überqueren mussten.


Mittlerweile wurde es auch sehr windig und der See fing an Wellen zu schlagen. Was waren wir froh, als wir diese Etappe endlich beendet hatten. Es war einfach 10 Mal schwerer mit starkem Gegenwind, sowie Wellen voran zu kommen.


Da die Route nicht komplett nur mit dem Kanu zu überwinden ist, mussten wir das Kanu noch zwei mal für jeweils etwa 500 Meter schleppen. War auch nicht gerade so leicht, da wir jeder ca. 15kg Gepäck dabei hatten und das Kanu einfach verdammt schwer war. Aber wir haben es gemeistert! Gegen 12 Uhr kamen wir ziemlich durchnässt und leicht durchgefroren am Ende der Route an. Beide natürlich schon in Gedanken bei der warmen Wohnung hat Nick dann erstmal das Auto geholt und wollte es anlassen während wir unsere Sachen einladen. Dabei hat er dann ausversehen das Auto von innen abgeschlossen und die Tür zugeknallt…….Da standen wir also – erschöpft nach 2 harten Tagen mit großen Augen ein verschlossenes warmes Auto anstarrend. Da wir wie gesagt, etwa 50km von den nächsten Menschen entfernt waren und mitten in der Wildnis natürlich kein Handynetz existiert haben wir uns etwa 1 ½ Stunden den Kopf zerbrochen was wir jetzt machen. Nach unzähligen jämmerlichen Versuchen das Auto irgendwie mit einem dünnen Stock über das Fenster von innen zu öffnen, entschlossen wir uns dazu eins der ziemlich kleinen hinteren Seitenfenster einzuschlagen. Weil unsere Arme da nicht ganz durch gepasst haben, hat es dieses Mal sehr gut mit einem Stock geklappt und wir konnten uns endlich in’s Auto setzen und die 3 Stunden nach Hause fahren.


Obwohl wir am Ende einfach noch ziemlich viel Pech gehabt haben, war der komplette Trip einfach nur extrem geil. Es ist genau das, was ich hier einmal machen wollte und kann jedem empfehlen auch mal im quasi „Winter“ Kanu fahren zu gehen. Ist einfach eine unvergessliche Erfahrung!



Da ich ziemlich müde bin, fass ich mich für die letzten 2 Tage einfach ziemlich kurz. Gestern morgen bin ich per Mitfahrgelegenheit von Saskatoon nach Calgary gefahren. Damit bin ich mal wieder extrem günstig für nur $20 etwa 620km gefahren und kam dann am Abend in meinem neuen Zuhause für diese Woche an. Leon hatte für mich vorher eine Unterkunft organisiert – ich wohne jetzt quasi bei Bekannten von der Familie bei der er sich gerade aufhält. Wirklich sehr nette Menschen bei denen ich gerade hause und das Haus ist einfach unglaublich. Ich glaube ich habe noch nie so ein aufwendig dekoriertes Haus in meinem Leben betreten. Wirklich jede Ecke ist bis ins kleinste Detail in irgendeiner Weise eingerichtet und generell wimmelt jeder Raum nur so von antiken Schmuckstücken.

Heute bin ich dann mit Leon ein paar Stunden durch Downtown gelaufen und ich habe mich endlich mit Skisachen für den Winter eingedeckt! Ich habe eine paar super Schnäppchen geschossen und brauche nur noch Skiboots. Letztendlich bleibe ich mit allem zusammen noch unter $700 und das beinhaltet alles von Handschuhen über Winterstiefel und Skis. Also wirklich sehr sehr günstig und außerdem Neuware!

Samstag geht’s dann zurück nach Lake Louise in meine Bude für die nächsten 6-7 Monate. Ich freu’ mich schon extrem auf’s Ski fahren und hoffe, dass es eine sehr schöne Zeit wird. Montag ist dann auch direkt mein erster Arbeitstag und am 5. November eröffnet das Ski Resort. Stehen also ein paar sehr interessante Tage an!

Ich hoffe euch allen geht es gut daheim.

Any feedback?

Verschneite Grüße aus Calgary

Trulli





Donnerstag, 21. Oktober 2010

Von Steaks und Biebern

Es könnte nicht besser sein. Ich hatte die vergangenen Tage wieder unglaublich viel Spaß. Dienstag bin ich erstmal für 5 Stunden durch Saskatoon gelaufen und habe währenddessen sogar noch die kleine Skyline ausfindig machen können.


Gegen 18 Uhr war ich dann mit meinem Couchsurfing-Host Rissy zum Squash spielen verabredet. Leider hatten meine Hosts kein Auto und so bin ich erstmal schön eine Stunde zum Squash-Court gelaufen. Ich denke ich muss nicht extra erwähnen, dass ich natürlich mal wieder gewonnen habe *hust*. War aber auf jeden Fall ziemlich spaßig und war gut sich mal wieder so richtig auszupowern. Nächsten Tag bin ich dann erst relativ spät aufgestanden und gegen 14 Uhr dann zusammen mit Rissy’s Mann auf die „driving range“ gegangen. Ist irgendwie unfassbar, wie viele Menschen hier Golf spielen. Es gibt allein im Umkreis von 5km um Saskatoon ungefähr 5-6 Golfplätze. Die Abende hab’ ich bei meinen ersten Hosts in Saskatoon ziemlich ruhig verbracht und bin so auch immer relativ früh schlafen gegangen.


Da ich insgesamt „nur“ 2 Tage bei Rissy und Garret übernachten konnte, habe ich mir im Vorfeld einen weiteren Couchsurfer für die folgenden Tage gesucht. Hat wieder mal super geklappt und Nick, mein neuer Host, hat mich dann gestern gegen 18 Uhr auch direkt vor der Haustür abgeholt. Ich hab’ mich auf Anhieb extrem gut mit ihm verstanden und so „labern“ wir den ganzen Tag irgendeinen Müll und haben eine Menge Spaß. Es ist super passend, dass er momentan 5 Tage frei hat und wir so diverse Pläne für die nächsten Tage haben. Nach meiner Ankunft haben wir erstmal unglaublich leckere Steaks auf den Grill geworfen. Die Dinger waren einfach riesig und wogen jeweils etwa 450g. Dazu gab’s wohl die beste Barbecue-Soße die ich je in meinem Leben gegessen hab, sowie extrem gute Nudeln in Käsesoße. Göttlich - mal wieder etwas Richtiges zwischen den Zähnen zu haben!

Heute Mittag sind wir dann etwa 2 Stunden lang am sogenannten „Beaver Creek“ wandern gegangen. War wirklich eine sehr ungewöhnliche Landschaft mit tausenden von abgenagten Bäumen. Wir haben meistens auch einfach die ausgeschilderten Trails verlassen und haben uns dann wortwörtlich durch super viel Gestrüpp gekämpft – ich weiß nicht wie viele Stachel von irgendwelchen Sträuchern ich nach den 2 Stunden in meiner Hose hängen hatte. Es hat richtig viel Spaß gemacht, was vorallem damit zusammen hängt, dass man ständig Angst haben musste 4-5 Meter tief in den Fluss zu fallen, weil wir uns direkt an der „Klippe“ durch die Sträucher gekämpft haben.


Wie der Zufall es so will, ist auch Nick ein begeisteter Squash-Spieler und so hat er vorgeschlagen, dass wir doch einfach mal ein kleines Match spielen gehen. Wir haben "best of 3" gespielt und vorher abgemacht, dass der Verlierer in den nächsten Tagen das ganze Geschirr abwaschen muss. Nunja...ich will doch stark für ihn hoffen, dass er Spaß dabei haben wird ;)

Wieder zurück zu Hause haben wir mal wieder gegrillt. Nick hat vorgeschlagen, dass wir uns selbst Chicken-Burger machen. Und was soll ich sagen – sie waren einfach unglaublich gut! Achja, gestern habe ich auch zum ersten Mal echten kanadischen Ahornsirup probiert – schmeckt echt lecker.

Morgen wollen Nick und ich dann einen 2-tägigen Kanutrip etwa 300km nördlich von Saskatoon unternehmen. Je nachdem ob einer seiner Freunde noch einen Schlafsack für mich über hat werden wir entweder zelten oder nicht. Spätestens beim nächsten Blogeintrag werdet ihr erfahren in welcher Form der Ausflug stattgefunden hat!

So long,

Trulli





Montag, 18. Oktober 2010

Hitchhiking experiences

Die 4 Tage seit dem letzten Eintrag sind einfach rasend schnell vergangen. Ich habe nie wirklich das Gefühl, dass die letzten Einträge einen größeren Zeitabstand als 2 Tage hätten. Aber der Schein trübt nunmal.

Nachdem mein Museumsbesuch am Donnerstag letztendlich an den Öffnungszeiten scheiterte, entschloss ich einfach diesen am Freitag nachzuholen. Dieses Mal entschied ich mich aber dazu, die 6km mit einem Bus zu bewältigen, da es um 11:30 Uhr einfach schon zu spät zum Laufen war. Schließlich wollte ich ja nicht wieder vor verschlossenen Türen stehen.

Im Prinzip ist das Museum ganz nett; es gibt vier verschiedene Abteilungen, wobei erwähnt werden muss, dass die Abteilung der „first nations“ einfach unglaublich überladen ist. Allein in dieser Abteilung hätte man sich, vorausgesetzt man liest sich wirklich alles darüber durch, locker 8 Stunden aufhalten können. Um einiges besser gefallen hat mir die Tierwelt, welche in unterschiedliche geographische Zonen wie z.B. den Prärien, Bergen oder den nördlichen Nadelwäldern eingeteilt wurde. Ganz nett anzuschauen war dann noch der „bug room“ mit unterschiedlichsten Insekten aus aller Welt. Dem interaktiven Kinderbereich, sowie künstlerischen Fotographien habe ich letztendlich eher wenig Beachtung geschenkt. Zum einen weil es bereits 16:45 Uhr war und zum anderen weil es mich nicht wirklich interessiert hat. Den Weg vom Museum zu Dave’s Wohnung bin ich dann aber gewohnt bei Sonnenschein zurückgelaufen – war wieder mal ein netter 2 Stunden Trip.


Abends waren wir beide dann auf eine Party eingeladen, die von einem anderen Couchsurfer veranstaltet wurde. Das Haus in dem er wohnt war einfach super verrückt – sie teilen sich zu 2. irgendwie ein ziemlich altes Haus mit 6 Räumen und großem Keller, welches super chaotisch eingerichtet war. Das Geilste war aber, dass er in seinem Schlafzimmer einen Knopf hat, mit dem er außerhalb des Hauses eine Schulklingel betätigen kann. Warum diese dort ist weiß er aber selbst nicht und hat auf jeden Fall für eine ganze Menge Lacher gesorgt. An sich war die Party mal wieder super cool und gab einem die Möglichkeit unterschiedlichste Leute aus unterschiedlichsten Ländern kennenzulernen. Was nicht so „sutje“ war, dass ich nachts bei 0°C noch etwa 50 Minuten nach Hause laufen musste, aber was solls, war trotzdem lustig.

Samstag habe ich mal wieder richtig gut ausgeschlafen und hatte im Prinzip keine Pläne. Ein paar Tage vorher aber, hatte Dave mir erzählt, dass er relativ häufig Golf spielen geht und so sind wir nachmittags dann noch auf eine „driving range“ gefahren um ein paar Bälle ordentlich durch die Luft zu schleudern. Würde sagen die ersten 30% der Bälle habe ich ganzschön verhunzt, da beim Golfen einfach extrem viel Technik benötigt wird. Danach ging’s in alter Zirkelbach-Manier aber ordentlich bergauf und ich hab’ die folgenden Bälle nahezu fast alle bis an die 200 Meter Grenze geschlagen. Es macht schon unglaublich viel Spaß kann ich euch sagen und es ist auf jeden Fall etwas, was ich später in Deutschland noch einmal wiederholen werde - natürlich nicht nur auf der driving range…


Abends waren wir dann von einem anderen Couchsurfer in ein Penthouse mitten in Downtown zum NHL-Derby „Edmonton vs. Calgary“ eingeladen. Schon atemberaubend, die Stadt im 14. Stock bei Nacht zu sehen. Außerdem gab’s einen riesigen Fernseher, schätze um die 52“. Leider hat Edmonton letztendlich nach einer 3:2 Führung noch 3:5 verloren und der Abend endete dann auch ziemlich bald nachdem das Spiel gegen 23 Uhr zu Ende war. Achja, Leon und sein „Gastbruder“ kamen am Samstag aus Calgary zu Besuch um dem Wasserpark in der Westedmonton Mall einen Besuch abzustatten. Während des Spiels kamen sie dann auch noch in der Wohnung vorbei und haben kurz Hallo gesagt. War ganz nett den Bengel mal wieder auf deutsch vollzuquatschen.


Da die Beiden die Nacht in einem Hotel verbracht haben, hatten wir uns für Sonntagmorgen für einen Downtown-Spaziergang verabredet, weil sie noch keine Zeit hatten dort vorbeizuschauen. Nunja, glaube wir sind nur ca. 30 Minuten in der Gegend rumgerannt bevor wir dann nochmal für eine Stunde in die Mall gefahren sind, da sie dort auch noch nicht wirklich gewesen sind. Nach einem Snack und dutzenden deutschsprachigen Gesprächen, von denen Leon’s Kumpel natürlich kein Wort verstand, sind sie gegen 14 Uhr dann auch wieder nach Calgary aufgebrochen.

Zu Hause haben Dave, eine Freundin von ihm und ich dann noch das Brettspiel „Ticket to Ride: Europe“ gespielt. Ein sagenhaftes Brettspiel, dass ich nur jedem wärmstens ans Herz legen kann. Die Partie endete aber relativ schnell, da für 19 Uhr ein Couchsurfing-Community-Essen in Chinatown angesetzt war. War echt cool, letztendlich waren wir 9 Couchsurfer (Hosts sowie Surfer), die sich in einem wirklich leckeren chinesischen Restaurant zusammenfanden. Es geht doch nichts über „sweet & sour chicken with rice“.

Heute war meine Woche in Edmonton dann auch schon wieder um und ich entschied für ein paar Tage nach Saskatoon in Sasketchewan zu hitchhiken. (per Anhalter) Ich habe mir darüber im Vorfeld sehr viele und ausgiebige Gedanken gemacht – immerhin ist Saskatoon etwa 530km östlich von Edmonton entfernt und entspricht somit fast der Hälfte der Strecke Nord-Süd Deutschlands. Da ihr meinen Eintrag lesen könnt, wisst ihr spätestens jetzt, dass mir nichts passiert ist und es eine extrem gute Entscheidung war auf diese Weise herzureisen. Zum einen weil es eine wirklich interessante Erfahrung war und zum anderen weil ich locker mal $50 und etwa 3 Stunden ansonsten zusätzliche Busfahrt gespart habe.

Dave hat mich morgens gegen 8 Uhr etwa 15km östlich der Stadt auf einem Highway rausgelassen und somit begann das Warten. Ich hatte mir im Vorfeld zwar ein Schild mit der Aufschrift „Saskatoon“ gebastelt, letztendlich konnte man dieses jedoch sehr schlecht erkennen und gebracht hat es mir nicht wirklich etwas. Ich stand etwa 40 Minuten mit meinen Sachen am Straßenrand bevor eine junge Familie anhielt und mich gefragt hab wo ich hinmöchte. (Ich hatte das Schild schließlich noch in der Hand, haha) Nachdem ich Saskatoon gesagt habe, bekam ich die wundervolle Antwort „Good, that’s where we’re heading to“. Die nächsten 5 ½ Stunden hab’ ich dann neben sehr netten Menschen aus Saskatoon gesessen, die mich letztendlich direkt vor die Haustür meiner Couchsurfing-Hosts gebracht haben. Einfach nur genial. Außerdem habe ich mich mit der Familie sehr gut verstanden - sie wohnen nur etwa 6-7 Blocks von hier entfernt und haben mich eingeladen doch einfach bei Ihnen zu übernachten wenn ich mal nicht weiß wo ich unterkomme. Außerdem darf ich in den nächsten Tagen ihr Mountain-Bike ausleihen und kann somit wieder ein paar Trails erkunden. Mein Zimmer bei meinen neuen Couchsurfing-Hosts ist wieder mal sehr geil und ich hab direkt nebenan noch einen 2. großen Raum mit Couch und Fernseher für mich in dem ich mich momentan aufhalte.

Wie ihr seht wurde meine Glückssträhne also nur kurzweilig durch die Farm-Erfahrung unterbrochen. Ich bleibe vermutlich bis Freitag in Saskatoon und werde dann vermutlich nach Regina, welche die Hauptstadt Sasketchewans ist, reisen.

Ich wäre übrigens von Anregungen, Verbesserungsvorschlägen oder Lob nicht abgeneigt...

Schönen Gruß nach Hause