Donnerstag, 27. Januar 2011

Wie die Weltmeister

Wieder mal sind ein paar Tage im schönen Banff Nationalpark vorüber gegangen. Arbeitstechnisch herrscht nach wie vor der gute 5-Tage Rhythmus auf dem unter der Woche ziemlich leeren Berg. Schon erstaunlich wie ruhig es manchmal dort unter der Woche ist, die einzigen 2 Stunden wo es wirklich mal etwas „busy“ wird ist zwischen 12 und 14 Uhr. In der restlichen Zeit sind wir häufig mit 4-6 Leuten hinter der Theke und stehen uns die Beine in den Bauch, weil nur alle 5 Minuten mal eine Bestellung rein kommt. Ein bis zwei von uns halten sich im Prinzip während des Tages im hinteren Teil der Küche auf, wo dann diverse Sachen wie z.B. Tomaten oder Zwiebeln vorbereitet werden. Weil die gleichen Personen noch das Geschirr abspülen müssen, ist das der einzige Job in unserem Bereich der nahezu den ganzen Tag etwas zu tun hat. Irgendwie will fast keiner den Job hinten machen, wobei es sooooo super entspannt ist hinten zu arbeiten und ich mich deswegen einfach an 2-3 Tagen „bereit erkläre“ mit nach hinten zu gehen.

Letztes Mal berichtete ich ja schon, dass es diese Woche auf einen Ausflug gehen soll. Heute ging es also nach Calgary um der olympischen Bobbahn einen kleinen Besuch abzustatten. Gegen 10 Uhr morgens hieß es heute morgen Abfahrt in die am schnellsten wachsende Großstadt Kanadas. Nach 2 Stunden kamen wir dann auch relativ flott im olympischen Park an und konnten direkt einen kleinen Blick auf die Bahn werfen. Von unten sah sie nicht wirklich spektakulär aus muss ich zugeben, aber manchmal trübt der Schein eben.


Nach einer kleinen Wanderung den Berg herauf bekamen wir zuerst unsere Helme, sowie Ellenbogenprotektoren. Die Einweisung in den Rodel-Sport ging geschätzte 15 Sekunden und bestand aus „Ähm ja, ihr solltet immer in starker Rückenlage bleiben“.


Mein Mitbewohner Steve kurz vor dem Start.


Nachdem ich nur 10 Minuten in der Warteschlange stand, war ich dann auch endlich dran. Ein bisschen mulmig war einem schon, wenn man an Geschichten der vergangenen Ausflüge denkt, wo sich anscheinend einige Leute ihre Knöchel gebrochen hatten. Aber was solls – auf geht’s! Obwohl der Start eigentlich ziemlich gut von der Hand ging, hat’s mich nach ungefähr 15 Sekunden einfach aus dem Schlitten gehauen. Ich weiß selbst nicht genau wie es passiert ist, aber aufeinmal in der Kurve hat sich der Schlitten halt so quer überschlagen und ich bin erstmal schön rausgeflogen. Glücklicherweise ist mir aber Nichts passiert und ich konnte die Bahn relativ easy wieder verlassen. Ich bin dann schnell auf dem Weg neben der Bahn etwa 2 Minuten wieder nach oben gerannt, weil ich unbedingt nochmal fahren wollte. Zum Glück waren sie so nett mir ca. 20 Minuten später noch eine Fahrt zu gestatten und so konnte ich die Strecke nochmal komplett runterfahren. Von außen sieht es irgendwie gar nicht so schnell aus, aber wenn man da erstmal drinne sitzt und runterrauscht spürt man die 60km/h schon.


Im Endeffekt habe ich leider nur Platz 24 von 53 belegt, war aber definitiv eine unvergessliche Erfahrung. Achja, ich war übrigens der Einzige der seinen Schlitten komplett verloren hat und deswegen nochmal fahren konnte. Ansonsten sind glaube ich nur 2 Personen rausgefallen, die sich danach aber wieder darauf setzen konnten.


Wenn ihr jemals die Möglichkeit habt mal so eine Bobbahn mit irgendeinem Gefährt runterzufahren – unbedingt ausprobieren! Ist nicht annähernd zu vergleichen mit normalen Schlitten fahren oder so. Leider hat im Endeffekt nur jede Person einen Lauf machen können (abgesehen von mir, haha) und so endete der Tag auch ziemlich schnell. Auf dem Rückweg wurde dann noch das unschlagbar gute Subway-Angebot mit $5 (ca. 3,50€) pro footlong-Sub mitgenommen und rundete einen coolen Ausflug ab. Ein Foto von mir selbst auf dem Schlitten lasse ich mir die Tage von einem Freund zuschicken und werde ich dann hier nachreichen.

Ansonsten schaue ich mich in den letzten Tagen ziemlich aktiv nach einer netten Mitfahrgelegenheit in den fernen Osten um. Im Prinzip wäre mir alles von Mitte Februar bis Mitte März recht, so lange die Mitfahrgelegenheit vielversprechend ist. Ich habe vielleicht auch schon jemanden gefunden, der Mitte Februar fahren möchte, jedoch ist das alles noch ziemlich ungewiss. Sobald sich in dieser Hinsicht irgendwas ergibt, werde ich mich wieder melden. Es steht aber wohl auf jeden Fall fest, dass ich Lake Louise, und somit den Westen Kanadas nach 3 ½ - 4 Monaten verlassen werde und nach neuen Abenteuern strebe.

Achja, falls ihr gerne mal eine schöne Postkarte aus Lake Louise, oder meinen folgenden Reisezielen erhalten würdet, könnt ihr mir eure Adresse einfach an florianzirkelbach@web.de schicken und ich versuche die Liste in nächster Zeit dann langsam abzuarbeiten =)

Schöne Grüße an die Nordsee

Euer Trulli





Montag, 17. Januar 2011

Kurz und knapp

Zwecklos sich über die Unregelmäßigkeit des Autors zu beschweren – Vorsätze sich zu ändern, werde ich momentan ja doch nicht einhalten können. In wenigen Worten ausgedrückt: Zu wenig Neues.

Mittlerweile ist hier absoluter Alltag eingekehrt. 8 Uhr aufstehen, 8 ½ Stunden auf der Arbeit rumstehen, ab nach Hause, kochen, Billard, Tischtennis oder Filme gucken und schon ist wieder arbeiten angesagt. Die freien Tage werden dann damit verbracht die Pisten runterzusausen oder Lebensmittel im altbekannten Banff einzukaufen. Momentan lebe ich auch einen ziemlich günstigen Lebensstil und habe die Möglichkeit mir etwas Geld für meine zukünftigen Reisen beiseite zu legen.

Auch wenn es bisher nur ein Gedanke in meinem Kopf ist, so reise ich vermutlich Anfang März auch schon weiter in Richtung Osten. Zu dieser Zeit hätte ich dann 4 Monate hier im Skigebiet verbracht und ich bin einfach „hungrig“ auf neue Begebenheiten und Umstände. Es zieht mich irgendwie in eine größere Stadt wie zum Beispiel Toronto, Ottawa oder Montreal. Was daraus genau wird kann ich aber noch nicht sagen, erstmal werde ich ja noch für 1 ½ Monate weiter arbeiten. Diverse Reiseziele für den Sommer habe ich mir eigentlich auch schon überlegt, möchte ich hier aber noch nicht bekannt geben.

Der nächste Eintrag wird vermutlich wieder interessanter, da ich nächste Woche an einem Mitarbeiterausflug nach Calgary teilnehmen werde: Es geht zum Rodeln auf die olympische Bobbahn.

Falls es irgendwelche besonderen Ereignisse aus der Heimat gibt, welche ihr mir mitteilen wollt, immer her damit ;)

- Trulli





Montag, 3. Januar 2011

Einfach mal den Koch raushängen lassen

Vorweg, frohes neues Jahr. Ich hoffe Ihr seid alle gut in’s neue Jahr gestartet und musstet Neujahr nicht arbeiten.

Aber fangen wir erstmal mit Weihnachten an. An Heiligabend hatte ich nach 6 Arbeitstagen endlich mal einen Tag frei und habe mir überlegt wie ich diesen denn verbringen möchte. Ich hab’ mich dazu entschieden den Abend damit einzuläuten einen legendären Lebkuchen-Zug zu basteln. Ich war einen Abend zuvor extra im 50km entfernten Banff um ein Lebkuchen-Haus zu suchen. Nach 3 Stunden, geschätzten 10 Läden voller Enttäuschungen und beinahe aufgegebener Hoffnung, habe ich als Kompromiss ein Lebkuchen-Zug-Bastel-Set gefunden.
Hat ziemlich viel Spaß gemacht das „Ding“ zusammenzubauen und das Ergebnis konnte sich sehen lassen:


Gegen 19 Uhr habe ich dann 3 andere Deutsche zum Weihnachtsessen in unserer Wohnung eingeladen. Für 90% der Bewohner hier wird nämlich erst richtig am 25. bzw. 26. Dezember gefeiert. Etwa 20 Minuten bevor die anderen kamen habe ich mir überhaupt erst überlegt was ich denn kochen möchte. Am Ende gab es eine Art Fischauflauf mit Tomaten, Paprika und einer Menge Käse überbacken. Als Soße eine leckere Zitronen-Dill Soße und einer der anderen hatte ganz überraschend noch sehr gute gebackene Kartoffelscheiben mitgebracht.


Ich hätte ja nicht erwartet, dass meine Konstellation so ein kulinarischer Hit werden würde. Auf jeden Fall hat es allen sehr gut geschmeckt und es enstand jedenfalls ein bisschen Weihnachtsstimmung. Sogar Geschenke gab es – Leon hat mir deutsches Bier (Becks) geschenkt und von mir hat er eine Art Süßigkeiten-Box für „Notfälle“ bekommen. Außerdem habe ich an Heiligabend noch Geschenke von meinen Eltern aufgemacht über die ich mich sehr gefreut habe.

Am 1. Weihnachtstag deutete alles darauf hin ein ganz normaler Tag zu werden. Nach nur einem Tag frei direkt wieder von 9 Uhr bis 17:30 Uhr arbeiten und zu Hause dann erstmal entspannen. Meine Mitbewohner und ich hatten eigentlich vorher geplant ein großes Weihnachtsessen am 25. Dezember zu veranstalten, jedoch kamen wir irgendwie nicht mehr dazu einzukaufen. Bis 19 Uhr saßen wir zu 5. in unserem Wohnzimmer und ärgerten uns ganzschön über unsere Dummheit. Aufeinmal öffnete sich jedoch die Haustür und unser Mitbewohner Steve aus England kam mit geschätzen 10 Tüten voller Lebensmittel in die Tür gestolpert. Irgendwie hatte er es doch noch auf die Reihe bekommen einzukaufen und wir veranstalteten tatsächlich noch ein Weihnachtsessen. Und es war sogar wirklich gut: Truthahn und Schinken mit Kartoffelbrei, Erbsen, Wurzeln und einer ziemlich guten Cranberry-Soße.


Achja, außerdem hatte ich meinen ersten Couchsufer zu besuch. Dave, mein alter Couchsurfing-Host aus Edmonton entschied sich über die Weihnachtstage nach Lake Louise zum Ski fahren zu kommen und ich bot ihm natürlich eine Couch an. Dass er hier sogar noch ein leckeres Weihnachtsessen bekommen würde, hätte er wohl selbst nicht erwartet. War auf jeden Fall mal ganz witzig so auf der anderen Seite des Couchsurfing-Prinzips zu agieren.

Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr waren arbeitstechnisch einfach nur stressig. Es hatte erneut jeder wieder nur einen Tag in der Woche frei und das Skigebiet war einfach absolut überfüllt. Ich glaub’ in der Cafeteria mussten manche Leute ungefähr 40 Minuten auf eine Portion Pommes warten, weil die Schlange so lang war. Glücklicherweise sind die großen Feiertage jetzt auch wieder vorüber und solch stressige Tage wird es vermutlich nicht mehr geben in dieser Saison.

An Silvester selbst hatte ich meinen nächsten freien Tag seit Heiligabend. Für 18 Uhr hatte ich mich mit einem Freund verabredet um ein Silvester-Essen zu kochen. Wir haben uns für eine riesige Nacho-Platte mit Hackfleisch und etlichen anderen Sachen entschieden. Es sah so gut aus, dass es fast zu schade zum Essen war.


Hat auf jeden Fall extrem gut geschmeckt. Danach waren wir beide dann bei einem anderen deutschen auf ein paar Bier eingeladen. War nicht die cleverste Idee die ca. 1km-Strecke ohne Mütze und Handschuhe zu gehen – es waren nämlich -30°C. War ganz amüsant an den Ort zurückzukehren an dem ich vor ungefähr 3 Monaten mal für 2 Wochen gewohnt habe. Hat viel Spaß gemacht und um etwa 22 Uhr sind wir dann wieder zurück nach Hause gelaufen um auf die große Party hier im Gemeinschaftsraum zu gehen. Waren sicherlich um die 150 Leute dort und der Jahreswechsel wurde demnach auch lautstark gefeiert. Ich glaub gegen 0:45 Uhr war für mich aber schon Ende, weil ich nächsten Tag wieder arbeiten musste und nicht mit dem größten Kater aufwachen wollte. Nunja, morgens fühlte ich mich dennoch ziemlich beschissen und der Tag zog sich ganzschön in die länge. Was war ich froh als ich um 18 Uhr wieder zu Hause in meinem Bett lag und mir einfach nur noch einen Film angeschaut habe.

Achja, das Resultat der Silvester-Wanderung bei -30°C ist eine ziemlich dicke Erkältung die ich neben dem Kater an Neujahr auch noch mit mir rumschleppen durfte…gestern habe ich mich den ganzen Tag auch noch völlig übermüdet und krank gefühlt, glücklicherweise geht es mir mittlerweile wieder etwas besser. Zum Glück ist jetzt mittlerweile wieder „Halbzeit“ in der jetzigen 6-Tage-Arbeitswoche…

Ich hoffe Eure ersten Tage in 2011 sind etwas gesünder verlaufen.
Haltet die Ohren steif,

Flo





Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten

Heiligabend, das Fest der Feste. Die Zeit ist ganzschön vergangen - vor einem Jahr habe ich mir den Kopf zerbrochen wie ich aus 6 Büchern über Japan's Ökonomie ein Meisterwerk von Hausarbeit basteln kann. Ich glaube es war der stressigste Schulabschnitt meines Lebens und somit wohl auch das anstrengendste Ende eines Jahres.

Genau ein Jahr später ist dies alles Geschichte und das Einzige worüber ich mir Gedanken mache, ist was ich heute Abend als großes Weihnachtsessen zu mir nehme - Fisch oder Geflügel? Es ist eben alles anders.

Auch wenn wir mittlerweile sogar einen geschmückten Tannenbaum und etwas Dekoration haben, hat Weihnachten "auswärts" einfach einen ganz anderen Stellenwert. Spätestens jetzt wird einem klar, dass 19 Jahre Gewohnheit, sowie Erinnerungen fest in einer Persönlichkeit verankert sind.

In diesem Sinne wünsche ich allen, vorallem aber meiner Familie, ein wundervolles Weihnachtsfest. Unvergesslich wird es vermutlich alle Male.





Freitag, 17. Dezember 2010

Von Subway zu McDonald's

Es hat also geklappt: Seit Montag arbeite ich in der Cafeteria im Gebäude nebenan. Nicht nur, dass sich meine Arbeitszeiten total verändert haben, auch die Arbeit an sich ist anders. Man könnte sagen ich bin vom Sandwichmaker zum Pommesrüttler „aufgestiegen“. Statt Muffins und Yoghurt bereite ich nun Hamburger, Pommes, Hot Dogs und eine große Auswahl an Frühstücksgerichten für hungrige Kunden zu. Wenn mal mehr zu tun ist bekommt jeder eine Station zugeteilt und ich hab am Montag einfach mal 3 Stunden lang Frikadellen, Würstchen und Geflügel auf dem Grill gewendet.

Da die Stationen auch mal durchgewechselt werden und somit jeder mal Burgerbrater wird, ist die Arbeit tatsächlich minimal abwechslungsreich. Am besten ist es eigentlich die Bestellungen anzunehmen, so hat man jedenfalls noch etwas Kundenkontakt und hat häufig die Gelegenheit mit wildfremden Menschen deutsch zu reden, da diese auf meinem Namensschild lesen, dass ich aus dem guten alten Büsum komme. Apropos Büsum, bevor ich nach Kanada kam war mir nie bewusst, wie weltberühmt meine Heimatstadt ist. Geschätzte 95% der Deutschen denen ich in den vergangenen 3 Monaten begegnet bin, kennen Büsum. Die Arbeitskollegen sind bisher auch sehr gut drauf und der Job ist wesentlich spaßiger als der vorherige. Der wohl einzige große Nachteil ist wohl, dass es nicht mehr so häufig freies Essen geben wird wie bevor. Najo, dafür kriege ich jetzt aber auch ein paar mehr Stunden zusammen und kann mir das dann wohl auch noch gerade selbst leisten.


Ich habe jedoch nach wie vor 3 Tage frei worüber ich mich momentan aber eigentlich nicht beschweren will, weil ich eben nicht mehr jeden Tag Ski fahren gehen kann. Heute ist auch quasi mein Sonntag, ich hatte nämlich die letzten 3 Tage frei und habe sie natürlich ordentlich zum fahren genutzt. Das Skigebiet sieht mittlerweile sehr gut aus, glaube inzwischen sind über 70 Abfahrten geöffnet und wie schon bereits gesagt, laufen jetzt auch alle 9 Lifte. Ist auch eine ganze Menge Schnee runtergekommen in letzter Zeit, wodurch es jetzt auch einige lustige Tiefschnee-Pisten gibt.


In Sachen Tiefschnee: Als vor einer Woche ein neuer Lift geöffnet wurde und ich unter den Ersten war, die damit hochgefahren sind, waren die Pisten dort oben natürlich relativ unbefahren. Als ich dann einfach mal im Tiefschnee hingefallen bin und einer meiner Ski sich von den Schuhen gelöst hat, haben wir zu 3. erstmal schön 20 Minuten lang im Schnee gebuddelt bis wir ihn gefunden haben…Wenn man in den Schnee eingesunken ist, steckte man ca. bis zum Bauchnabel im Schnee. War ziemlich witzig, aber andererseits auch leicht beängstigend. Seit ein paar Tagen wage ich mich hier eigentlich auch die schwarzen Pisten runter und bin bisher unverletzt davon gekommen. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt!


Am gestrigen Donnerstag kamen dann noch Sandy und Philipp aus dem etwa 70km östlich gelegenen Canmore zu besuch. Ich habe die beiden an meinem ersten Tag in Vancouver vor nun etwas über 3 Monaten kennengelernt und seitdem stehen wir eigentlich nach wie vor in Kontakt. Die beiden wollten mal schauen wie ich so lebe und ein bisschen über „alte Zeiten“ plaudern. Ich hatte auf jeden Fall einen lustigen Nachmittag am und in Lake Louise mit euch und hoffe, dass ich euch einen guten Einblick gewähren konnte. Achja, ich will doch stark hoffen, dass das Weihnachtsessen am 26. noch steht ;)


Das wars für diese Tage erstmal wieder, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns vor Heiligabend nochmal hören. Wenn dem nicht so ist, wünsche ich Euch allen fröhliche Weihnachten. Ich hoffe ihr habt die Möglichkeit an einem Tisch zu essen, der größer als unser 0,7m² Couchtisch ist.





Donnerstag, 9. Dezember 2010

3 Monate

Fast ein bisschen frech 2 Wochen lang überhaupt Nichts geschrieben zu haben. Zufrieden bin ich damit nicht wirklich, aber was soll man machen.

Seit gestern ist es also 3 Monate her, als ich das erste Mal kanadischen Boden betrat. Abenteuerlustig und unwissend was die Zukunft bringen wird, habe ich mich seitdem, aus meiner Sicht, sehr erfolgreich durch ein fremdes Land gekämpft. Seien wir gespannt was die restlichen Monate so bringen werden.

Der Ski-Weltcup, der an beiden vergangenen Wochenenden stattfand, habe ich mir doch glatt mal angeschaut. Was soll man sagen - schon eine sehr langweilige Angelegenheit musste ich feststellen. Im Prinzip ist es quasi so aufregend, als würde man es im Fernsehen schauen. Man steht eben hinter der Ziellinie und sieht die Athleten die letzten 15 Sekunden den Berg runterfahren. Die resltichen 1 ½ Minuten schaut man sich halt eben auch nur auf einer Leinwand an. Das aus meiner Sicht einzig positive am ganzen Cup war, dass halt mal mehr los war und ich dadurch einfach mal meine Stunden vollbekomme.


Die ersten beiden Paychecks waren halt der totale Witz. Das Einzige was ich mir davon leisten konnte, waren ca. die Einkäufe für 1 Woche. Am Freitag gibt’s wieder Geld und da sieht die Situation zwar immernoch nicht super rosig aus, aber ich werde definitiv endlich anfangen können ein bisschen etwas davon zu sparen. Steht ja schließlich noch 'ne ganze Menge Reisen nach dem Winter an.


Nach anfänglicher Euphorie über meine „grandiosen“ Arbeitszeiten, zeigen sich nun nach etwas über einem Monat die Schattenseiten. Neben mir gibt es auf dem gesamten Berg eigentlich nur 3-4 Leute, die die selben Arbeitszeiten haben. Es gibt eigentlich nur 2 Versionen meines Feierabends: Ich komme nach Hause und einfach jeder in meiner Wohnung schläft bereits. Oder: Ich komme nach Hause und jeder ist bereits betrunken bzw. unterwegs. Ich muss zugeben, beide Versionen finde ich nicht sonderlich berauschend. Aus diesem Grund habe ich auch darum gebeten, in eine andere Schicht bzw. einen anderen Arbeitsplatz geschoben zu werden. Außerdem würde ich um einiges lieber 5, anstatt 4 Tage die Woche arbeiten, weil ich das Geld momentan einfach brauche.

In den vergangenen 2 Wochen war ich übrigens zwei Mal auswärtig Ski fahren. Schon ganz nett irgendwie, einen gratis Skipass für ein weiteres Skigebiet zu besitzen, das in etwa der Größe der Lake Louise Ski Area entspricht. Während der Schnee beim ersten Mal einfach nur erstklassig war, wurde ich am vergangenen Freitag ganzschön von den schlechten Konditionen überrascht. Glaube ich habe mir in 4 Wochen Ski fahren in Lake Louise nicht so viele Kratzer in meine Ski gehauen wie an dem einen Tag in Sunshine Village…ich war wirklich enttäuscht. Zum Glück habe ich kein „high-end“ Equipment und kann die paar Kratzer daher noch ganz gut verschmerzen. Ich werde dort aber definitiv erst wieder hinfahren, sobald es mal wieder richtig schneit.


Die Temperaturen haben sich inzwischen wieder etwas normalisiert und an den meisten Tagen hat es hier tagsüber so etwa -15°C bis -20°C. Kein Vergleich zu -35°C...Der Barbecue-Sunday findet mittlerweile wirklich wöchentlich statt und hat sich bei etwa 10 festen Teilnehmern eingependelt. Lustigerweise wurden meine freien Tage aber verschoben und ich habe anstatt Sonntag jetzt immer Samstag frei…Vermutlich werde ich die Anderen nicht überzeugen können einen Barbecue-Saturday einzuführen und kann daher nur hoffen, dass ich ab Montag in einer anderen Schicht arbeite. Da der Chef heute sowas schon angedeutet hat, ist es also sehr wahrscheinlich, dass ich nur diese Woche auf’s Grillen verzichten muss - nochmal Glück gehabt.

Die Schichtänderung wird mir wohl leider meine große „Skifreiheit“ nehmen, aber ich werde ja nach wie vor 2-3 freie Tage haben an denen ich fahren kann. Beim Fahren merke ich, dass ich so langsam nur noch kleine, aber stetige Fortschritte mache. Mal schauen, wie sich das noch verändern wird in der kommenden Zeit. Leider gibt es nach wie vor noch nicht sonderlich viele Pisten und da es momentan relativ wenig schneit sind die offenen Pisten desöfteren ziemlich vereist. Sonntag sollen jedoch zu den bereits 3 offenen Lifte, 3 zusätzliche hinzukommen. Mal schauen wie die neuen Pisten so sind.


Unfassbar, dass morgen in 2 Wochen schon Heiligabend ist. Mal ehrlich, seid ihr schon in irgendeiner Weise in Weihnachtsstimmung? Also ich nicht. Mittlerweile wurde sogar schon ein großer Tannenbaum mit Geschenken in der Cafeteria aufgestellt. Dieses Weihnachten wird wohl ziemlich anders als in all den vergangenen Jahren – vermutlich nicht nur für mich. In unserem Wohnzimmer haben wir zwar einen Esstisch, aber dieser steht in der Ecke und wird vom Fernseher und der Mikrowelle belagert. Wir haben außerdem keine Stühle und der kleine Couchtisch ist definitiv zu klein für ein Weihnachtsessen. Im Übrigen sind „echte“ Weihnachtsbäume aufgrund von Brandgefahr verboten. Wie schon gesagt, wird eben ein völlig anderes Weihnachten dieses Jahr…


Ich wünsche Euch schonmal einen schönen 3. Advent und hoffe ihr wurdet am Nikolaustag reich beschenkt. Ich werde mein Bestes geben, hier wieder etwas aktiver zu werden, da ich nie einen dieser Blogs unterhalten wollte, in denen mal alle 4 Wochen irgendeine gequirlte Kacke zu Papier gebracht wird…

Gruß,

Flo





Mittwoch, 24. November 2010

Festgefroren

Ewigkeiten sind seit dem letzten Eintrag vergangen. Das liegt zum einen daran, dass sich hier so langsam der Alltag einschleicht und zum anderen, dass ich einfach etwas faul war. Die meisten Einträge brauchen gut und gerne mal 1 ½ bis 2 Stunden und wenn ich dann spät am Abend die Entscheidung zwischen Schlafen und Schreiben hatte, habe ich mich innerhalb der letzten 2 Wochen eher für’s Schlafen entschieden – ich bitte um Entschuldigung.

Die Arbeit im größten Skigebiet der kanadischen Rocky-Mountains ist nach wie vor gut und einfach – wenn auch leider nicht arbeitsreich momentan. Ich habe immernoch drei Mal in der Woche frei und an den vier Arbeitstagen komme ich gerade nicht über 5 Stunden pro Tag rüber. Es fehlen einfach noch die Kunden in der frühen Saison. Wer ist auch so blöd und fährt für 1 ½ Pisten in den Skiurlaub? Besserung ist jedoch in Sicht: An diesem Wochenende fängt der große Ski-Weltcup der Herren hier in Lake Louise an. Team Germany wurde gestern anscheinend auch schon in der Cafeteria gesichtet – vielleicht kann ich ja ein Autogramm mir unbekannter Menschen abstauben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Rennen am Samstag oder Sonntag auch im deutschen Fernsehen im Ersten oder ZDF ausgestrahlt werden, also ab vor den Fernseher!


Die Arbeit an sich hat sich eigentlich nicht großartig verändert, ich bereite nach wie vor überteuerte Speisen für die nächsten Tage vor, welche dann kaum gekauft werden. Wer bezahlt auch $8.65 für ein kaltes Sandwich, wenn man 3 Meter weiter einen warmen Hamburger für $7.70 bekommt? An zwei von vier Tagen arbeite ich übrigens auch alleine, weil meine Schichtleiter absolut nichts machen. Ah, ich hab mich geirrt, eine Stunde verbringen sie immer damit sich selbst irgendwas mega teures zu kochen. Ist aber gar nicht verkehrt, weil ich sonst noch weniger Stunden bekommen würde. Da ich mein Erspartes momentan eigentlich nicht anrühren möchte, ist feiern gehen so gut wie tabu. Aber es kommen in den nächsten Wochen definitiv wieder andere Zeiten.

Da ich so entspannte Arbeitszeiten habe, hatte ich in letzter Zeit extrem viel Zeit zum Ski fahren. Von mittlerweile 19 offenen Tagen, war ich ungefähr 14 Mal fahren denke ich. Demnächst müssten auch immer mehr und mehr Pisten eröffnen, denn z.B. vor einer Woche hat es beinahe 3 Tage durchgehen stark geschneit und insgesamt 40-50cm Schnee gebracht. Ohne wasserfeste Stiefel geht hier also gar nichts mehr. Sehr ungewohnt für einen Deutschen. Genau so ungewohnt sind die Temperaturen die hier mittlerweile herrschen. Da es gestern oben auf dem Berg -35°C hatte (gefühlt -50°C), konnte die Gondel einfach nicht mehr fahren und hat vielen Leuten, unteranderem auch mir, ganzschön den Skitag vermiest. Selbst hier unten im Dorf vor meiner Haustür hatte es gestern Nachmittag einfach mal -30°C. Als ich gestern Abend den Müll auf der Abend rausgebracht habe, sind glatt meine Finger an der Mülltonne festgeklebt – zum Glück hab ich es früh genug bemerkt und konnte Schlimmeres verhindern ;)


Was ich neben den Arbeitszeiten besonders gut an meiner Arbeit finde ist, dass ich an meinen Arbeitstagen eigentlich nur Zuhause frühstücken muss. Sobald ich ab 16 Uhr bei der Arbeit bin, kann ich mich eigentlich umsonst mit Sandwiches oder anderen Sachen ernähren. Dadurch kann ich jedenfalls etwas Geld sparen und kann mit nur 5 Stunden Arbeit pro Tag locker in folgendem Haus überleben:


Da wir auf dem großen Balkon vor dem Aufenthaltsraum zwei ziemlich große Gasgrills haben, hab ich beschlossen den „Barbecue-Sunday“ einzuführen. Auch wenn wir letzten Sonntag nur zu 3. waren, hab ich das Gefühl, dass da immer mehr und mehr Leute aus dem Haus hier mitmachen werden. War irgendwie schon lustig bei -25°C und Schnee draußen in der Kälte seine Steaks zu brutzeln. Um euch mal ein Bild davon zu machen wie kalt es ist: Während die Steaks gegrillt wurden, ist mein Toastbrot, sowie mein Wasser auf dem Tisch fast eingefroren. Ich hab’ ein gutes Gefühl, dass das hier noch ein ganz großes Ereignis in nächster Zeit wird.


Heute habe ich mich dazu entschieden mal nicht Ski fahren zu gehen, da es bei diesen Temperaturen einfach nicht so viel Spaß bringt zur Zeit. Außerdem konnte ich so die Zeit nutzen euch mal wieder auf dem Laufenden zu halten. Ab heute Nacht hab ich dann quasi wieder Wochenende und gehe wohl am morgigen Donnerstag in das benachbarte Skigebiet „Sunshine Village“ Ski fahren. Dieses hat zum jetztigen Zeitpunkt schon ein paar mehr Pisten geöffnet und ich kann die Gelegenheit nutzen einen Kumpel aus Banff wiederzusehen.

Achja, hier mal ein Blick aus meinem Fenster:


Haltet die Ohren steif! Unmöglich, es momentan hier zu unterlassen.

- Trulli