Mittwoch, 23. Februar 2011

66 hours later

Nach 3500 Kilometern, 2 Zeitzonen und insgesamt 66 Stunden Zugfahrt bin ich am gestrigen Abend ziemlich erschöpft in Toronto angekommen. Abgesehen von der Tatsache, dass sich während der Zugfahrt 8 Stunden Verspätung eingeschlichen haben, war die Zeit relativ angenehm. Ich hatte 2 Plätze für mich allein und die Beinfreiheit war mindestens doppelt so groß als wäre ich mit dem Bus gefahren. Es stellte sich heraus, dass es wesentlich angenehmer war tagsüber zu schlafen, da die Person direkt hinter mir einfach unglaublich laut geschnarcht hat…


Die Zeit in der ich nicht geschlafen habe, hab ich hauptsächlich damit verbracht mir Serien und Filme anzuschauen. Glücklicherweise hatte jeder Platz sogar eine eigene Steckdose und mein Netbook lief dadurch quasi durchgehend. Ab und zu hab’ ich auch noch mal in einem meiner eBooks zum Französisch lernen rumgeschnuppert, da ich meine „Kenntnisse“ später in Montréal schon ganz gern ausbauen würde. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch so viele Vokabeln in meinem Gedächtnis hatte.
Da ich beinahe 9 Stunden verspätet am Bahnhof in Toronto ankam und ich keinerlei Kontaktinformationen meines Couchsurfing-Hosts hatte, brauchte ich erstmal eine kleine Nachdenkpause. Abends 19 Uhr in einer fremden Stadt, kein Guthaben auf dem Handy, kein W-Lan, 2 schwere Rucksäcke und Jogginghose an. Es hätte zu diesem Zeitpunkt kaum besser laufen können... Aber bevor ich mich weinend in die Ecke setzte, entschied ich mich doch dazu ein Starbucks für freies W-Lan aufzusuchen. Nach geschätzten 3 Minuten hab ich dann auch den ersten Laden gefunden und hab’ mich dreist reingesetzt ohne mir etwas zu kaufen. Das W-Lan funktionierte prima und nachdem ich die Telefonnummer meines Hosts in meinen E-Mails gefunden habe, hab ich mit meinem neuen „Skype-Credit“ direkt mal aus dem Café aus angerufen.

Das Blatt wendete sich – glücklicherweise war er gerade nur 5 Minuten vom Bahnhof entfernt und es wäre kein Problem mich dort abzuholen. Direkt danach traf ich mich also mit Jason und zusammen haben wir dann die S-Bahn zu seiner Wohnung genommen. Er wohnt ziemlich zentral in Toronto, zwar nicht direkt in Downtown, aber mit der S-Bahn sind es nur ca. 10 Minuten. Man braucht auch nicht umzusteigen, weil er direkt an der Hauptstraße wohnt, schon ziemlich super. Abends sind wir dann noch zu einem Supermarkt direkt um die Ecke gelaufen und ich hab mir den feinsten Gaumenschmaus ($2 Maccaroni für die Mikrowelle) gegönnt.


Nachdem ich heute dann erstmal schön ausgeschlafen habe, bin ich direkt Richtung Downtown gelaufen. Ich hab’ die Strecke entlang des Ontariosees gewählt und hatte dadurch eine schön, wenn auch kalte Aussicht auf’s Wasser. Nach etwa 1 Stunde bin ich dann auch in Downtown angekommen und konnte einen Blick auf die vielen Wolkenkratzer werfen. Um ehrlich zu sein hätte ich mir die Innenstadt, bzw Toronto allgemein, nicht so groß vorgestellt. Vancouver kam mir kleiner, aber auch weiter auseinandergezogen vor. Wirklich richtige Großstadtatmosphäre wie man es aus Deutschland nicht gewohnt ist.


Nachdem mir immer kälter wurde und der Himmel heute sehr klar war, entschied ich mich dazu das völlig überteuerte Ticket für den berühmten CN-Tower zu kaufen. $20 um den 553 Meter hohen Turm raufzufahren sind wirklich zu viel des Guten, auch wenn die Aussicht wirklich klasse war. Von oben hat man wirklich nochmal gesehen wie riesig die Stadt wirklich ist. Falls ihr aber nochmal nach Toronto kommen solltet, kann ich preislich nicht empfehlen oben raufzufahren.


Jetzt überlege ich gerade was ich die nächsten Tage in Toronto noch genau machen möchte. Für morgen habe ich erstmal eine günstige Tagestour zu den weltbekannten Niagara Fällen gebucht und Freitag werde ich eine Brauerei und andere Dinge in Toronto besichtigen. Achja, Freitag wechsel ich auch nochmal für 2 Tage meinen Host, da Jason am Wochenende keine Zeit hat. Am Sonntag habe ich dann schon eine Mitfahrgelegenheit in die Hauptstadt Kanadas (Ottawa), in der ich vermutlich 2-3 Tage bleibe, bevor es dann nach Montréal geht. In Montréal geht es dann direkt auf Wohnungs- und Jobsuche, aber dazu in ein paar Tagen mehr!


Haltet die Ohren steif.

F.Z





Montag, 7. Februar 2011

Aufbruchstimmung

Wieder 1 ½ Wochen rum. Was gibt’s Neues?

Kündigung eingereicht, Ski-Equipment verkauft, bereit für einen neuen Abschnitt! - So würde ich es in einem Satz ausdrücken.

Am Sonntag, den 13. Februar habe ich meinen letzten Arbeitstag für das Skigebiet in Lake Louise. 3 ½ Monate Ski fahren in einer atemberaubenden Umgebung sind es dann also geworden. Ob ich eine gute Zeit hatte? Auf jeden Fall. Im Endeffekt hätte ich hier natürlich auch bis Anfang Mai bleiben können, aber meine Zeit im großen Kanada ist einfach begrenzt und daher möchte ich so viele Erfahrungen aufsaugen wie nur irgendwie möglich.

Direkt am 14. Februar geht es erstmal wieder nach Calgary für 2-3 Tage. Ich darf wieder bei der Familie übernachten, die mich letztes mal schon bei sich aufgenommen hat. Dieses Mal werde ich definitiv ein paar Fotos von diesem unfassbar aufwendig dekorierten Haus machen!
Ich habe die Zeitspanne 2-3 Tage bewusst gewählt, da ich noch nicht weiß wie ich im Anschluss nach Edmonton komme. „Hä, wieso schon wieder Edmonton?“ - wird sich eventuell der Ein oder Andere jetzt fragen. Ich kehre für ein paar Tage nach Edmonton zu meinem alten Couchsurfing-Freund Dave zurück, da Edmonton die quasi nächstgelegene Stadt mit einem Bahnhof ist. Ich habe mich nämlich dazu entschieden einmal quer durch Kanada mit dem berühmten Zug „The Canadian“ zu fahren. Von Edmonton nach Toronto - 3500km innerhalb von 58 Stunden liegen ab dem 19. Februar vor mir! Um’s mal deutlicher auszudrücken: Dagegen war die 24-stündige Busfahrt nach Italien vor 4 Jahren eher leichte Kost.

Im letzten Eintrag habe ich ja eigentlich noch den Plan gehabt mir eine Mitfahrgelegenheit für die Strecke zu suchen, jedoch habe ich innerhalb 1 ½ Wochen nichts gescheites gefunden und außerdem habe ich dann den hammermäßig günstigen Zugdeal ergattert. Außerdem ist der Zug vermutlich sowieso die beste Wahl um während der Fahrt genügend mitzubekommen. Achja, die Fahrt kostet mich umgerechnet nur etwa 100€. (Normaler Preis wären ca. 350€ gewesen…) Ob ich nach 58 Stunden im Zug auch noch so begeistert sein werde, wage ich irgendwie zu bezweifeln, aber mal schauen was passiert!

Nachdem ich meine Skier in den letzten Tagen verkauft habe, wollte ich mich nicht an meinem Wochenende langweilen. Ein Freund aus der Küche hat mir fix mal sein Snowboard ausgeliehen und ich konnte mich mal auf dem Brett versuchen. Ich persönlich empfand es als ziemlich einfach und schnell zu erlernen – nach 3 Stunden Übung bin ich das erste Mal eine der Pisten runtergefahren. Hat zwar etwas länger als sonst gedauert, aber ich bin gut unten angekommen. Macht auf jeden Fall viel Spaß und ich leih’ mir das Snowboard am Donnerstag und Freitag wieder aus. Hab’ zwar etwas Angst, dass ich mich auf den letzten Tagen jetzt noch verletzte, aber passt schon.

Ich hoffe auf ein paar entspannt spaßige Tage in Calgary und Edmonton, bevor ich dann am 22. Februar ohne „Plan“ in einer fremden Stadt stehe. Irgendwas wird sich schon ergeben!

Nebenbei, die Kommentare lassen in letzter Zeit ganzschön zu wünschen übrig. =P

Wünsche jedem eine neue ereignisreiche Woche.





Donnerstag, 27. Januar 2011

Wie die Weltmeister

Wieder mal sind ein paar Tage im schönen Banff Nationalpark vorüber gegangen. Arbeitstechnisch herrscht nach wie vor der gute 5-Tage Rhythmus auf dem unter der Woche ziemlich leeren Berg. Schon erstaunlich wie ruhig es manchmal dort unter der Woche ist, die einzigen 2 Stunden wo es wirklich mal etwas „busy“ wird ist zwischen 12 und 14 Uhr. In der restlichen Zeit sind wir häufig mit 4-6 Leuten hinter der Theke und stehen uns die Beine in den Bauch, weil nur alle 5 Minuten mal eine Bestellung rein kommt. Ein bis zwei von uns halten sich im Prinzip während des Tages im hinteren Teil der Küche auf, wo dann diverse Sachen wie z.B. Tomaten oder Zwiebeln vorbereitet werden. Weil die gleichen Personen noch das Geschirr abspülen müssen, ist das der einzige Job in unserem Bereich der nahezu den ganzen Tag etwas zu tun hat. Irgendwie will fast keiner den Job hinten machen, wobei es sooooo super entspannt ist hinten zu arbeiten und ich mich deswegen einfach an 2-3 Tagen „bereit erkläre“ mit nach hinten zu gehen.

Letztes Mal berichtete ich ja schon, dass es diese Woche auf einen Ausflug gehen soll. Heute ging es also nach Calgary um der olympischen Bobbahn einen kleinen Besuch abzustatten. Gegen 10 Uhr morgens hieß es heute morgen Abfahrt in die am schnellsten wachsende Großstadt Kanadas. Nach 2 Stunden kamen wir dann auch relativ flott im olympischen Park an und konnten direkt einen kleinen Blick auf die Bahn werfen. Von unten sah sie nicht wirklich spektakulär aus muss ich zugeben, aber manchmal trübt der Schein eben.


Nach einer kleinen Wanderung den Berg herauf bekamen wir zuerst unsere Helme, sowie Ellenbogenprotektoren. Die Einweisung in den Rodel-Sport ging geschätzte 15 Sekunden und bestand aus „Ähm ja, ihr solltet immer in starker Rückenlage bleiben“.


Mein Mitbewohner Steve kurz vor dem Start.


Nachdem ich nur 10 Minuten in der Warteschlange stand, war ich dann auch endlich dran. Ein bisschen mulmig war einem schon, wenn man an Geschichten der vergangenen Ausflüge denkt, wo sich anscheinend einige Leute ihre Knöchel gebrochen hatten. Aber was solls – auf geht’s! Obwohl der Start eigentlich ziemlich gut von der Hand ging, hat’s mich nach ungefähr 15 Sekunden einfach aus dem Schlitten gehauen. Ich weiß selbst nicht genau wie es passiert ist, aber aufeinmal in der Kurve hat sich der Schlitten halt so quer überschlagen und ich bin erstmal schön rausgeflogen. Glücklicherweise ist mir aber Nichts passiert und ich konnte die Bahn relativ easy wieder verlassen. Ich bin dann schnell auf dem Weg neben der Bahn etwa 2 Minuten wieder nach oben gerannt, weil ich unbedingt nochmal fahren wollte. Zum Glück waren sie so nett mir ca. 20 Minuten später noch eine Fahrt zu gestatten und so konnte ich die Strecke nochmal komplett runterfahren. Von außen sieht es irgendwie gar nicht so schnell aus, aber wenn man da erstmal drinne sitzt und runterrauscht spürt man die 60km/h schon.


Im Endeffekt habe ich leider nur Platz 24 von 53 belegt, war aber definitiv eine unvergessliche Erfahrung. Achja, ich war übrigens der Einzige der seinen Schlitten komplett verloren hat und deswegen nochmal fahren konnte. Ansonsten sind glaube ich nur 2 Personen rausgefallen, die sich danach aber wieder darauf setzen konnten.


Wenn ihr jemals die Möglichkeit habt mal so eine Bobbahn mit irgendeinem Gefährt runterzufahren – unbedingt ausprobieren! Ist nicht annähernd zu vergleichen mit normalen Schlitten fahren oder so. Leider hat im Endeffekt nur jede Person einen Lauf machen können (abgesehen von mir, haha) und so endete der Tag auch ziemlich schnell. Auf dem Rückweg wurde dann noch das unschlagbar gute Subway-Angebot mit $5 (ca. 3,50€) pro footlong-Sub mitgenommen und rundete einen coolen Ausflug ab. Ein Foto von mir selbst auf dem Schlitten lasse ich mir die Tage von einem Freund zuschicken und werde ich dann hier nachreichen.

Ansonsten schaue ich mich in den letzten Tagen ziemlich aktiv nach einer netten Mitfahrgelegenheit in den fernen Osten um. Im Prinzip wäre mir alles von Mitte Februar bis Mitte März recht, so lange die Mitfahrgelegenheit vielversprechend ist. Ich habe vielleicht auch schon jemanden gefunden, der Mitte Februar fahren möchte, jedoch ist das alles noch ziemlich ungewiss. Sobald sich in dieser Hinsicht irgendwas ergibt, werde ich mich wieder melden. Es steht aber wohl auf jeden Fall fest, dass ich Lake Louise, und somit den Westen Kanadas nach 3 ½ - 4 Monaten verlassen werde und nach neuen Abenteuern strebe.

Achja, falls ihr gerne mal eine schöne Postkarte aus Lake Louise, oder meinen folgenden Reisezielen erhalten würdet, könnt ihr mir eure Adresse einfach an florianzirkelbach@web.de schicken und ich versuche die Liste in nächster Zeit dann langsam abzuarbeiten =)

Schöne Grüße an die Nordsee

Euer Trulli





Montag, 17. Januar 2011

Kurz und knapp

Zwecklos sich über die Unregelmäßigkeit des Autors zu beschweren – Vorsätze sich zu ändern, werde ich momentan ja doch nicht einhalten können. In wenigen Worten ausgedrückt: Zu wenig Neues.

Mittlerweile ist hier absoluter Alltag eingekehrt. 8 Uhr aufstehen, 8 ½ Stunden auf der Arbeit rumstehen, ab nach Hause, kochen, Billard, Tischtennis oder Filme gucken und schon ist wieder arbeiten angesagt. Die freien Tage werden dann damit verbracht die Pisten runterzusausen oder Lebensmittel im altbekannten Banff einzukaufen. Momentan lebe ich auch einen ziemlich günstigen Lebensstil und habe die Möglichkeit mir etwas Geld für meine zukünftigen Reisen beiseite zu legen.

Auch wenn es bisher nur ein Gedanke in meinem Kopf ist, so reise ich vermutlich Anfang März auch schon weiter in Richtung Osten. Zu dieser Zeit hätte ich dann 4 Monate hier im Skigebiet verbracht und ich bin einfach „hungrig“ auf neue Begebenheiten und Umstände. Es zieht mich irgendwie in eine größere Stadt wie zum Beispiel Toronto, Ottawa oder Montreal. Was daraus genau wird kann ich aber noch nicht sagen, erstmal werde ich ja noch für 1 ½ Monate weiter arbeiten. Diverse Reiseziele für den Sommer habe ich mir eigentlich auch schon überlegt, möchte ich hier aber noch nicht bekannt geben.

Der nächste Eintrag wird vermutlich wieder interessanter, da ich nächste Woche an einem Mitarbeiterausflug nach Calgary teilnehmen werde: Es geht zum Rodeln auf die olympische Bobbahn.

Falls es irgendwelche besonderen Ereignisse aus der Heimat gibt, welche ihr mir mitteilen wollt, immer her damit ;)

- Trulli





Montag, 3. Januar 2011

Einfach mal den Koch raushängen lassen

Vorweg, frohes neues Jahr. Ich hoffe Ihr seid alle gut in’s neue Jahr gestartet und musstet Neujahr nicht arbeiten.

Aber fangen wir erstmal mit Weihnachten an. An Heiligabend hatte ich nach 6 Arbeitstagen endlich mal einen Tag frei und habe mir überlegt wie ich diesen denn verbringen möchte. Ich hab’ mich dazu entschieden den Abend damit einzuläuten einen legendären Lebkuchen-Zug zu basteln. Ich war einen Abend zuvor extra im 50km entfernten Banff um ein Lebkuchen-Haus zu suchen. Nach 3 Stunden, geschätzten 10 Läden voller Enttäuschungen und beinahe aufgegebener Hoffnung, habe ich als Kompromiss ein Lebkuchen-Zug-Bastel-Set gefunden.
Hat ziemlich viel Spaß gemacht das „Ding“ zusammenzubauen und das Ergebnis konnte sich sehen lassen:


Gegen 19 Uhr habe ich dann 3 andere Deutsche zum Weihnachtsessen in unserer Wohnung eingeladen. Für 90% der Bewohner hier wird nämlich erst richtig am 25. bzw. 26. Dezember gefeiert. Etwa 20 Minuten bevor die anderen kamen habe ich mir überhaupt erst überlegt was ich denn kochen möchte. Am Ende gab es eine Art Fischauflauf mit Tomaten, Paprika und einer Menge Käse überbacken. Als Soße eine leckere Zitronen-Dill Soße und einer der anderen hatte ganz überraschend noch sehr gute gebackene Kartoffelscheiben mitgebracht.


Ich hätte ja nicht erwartet, dass meine Konstellation so ein kulinarischer Hit werden würde. Auf jeden Fall hat es allen sehr gut geschmeckt und es enstand jedenfalls ein bisschen Weihnachtsstimmung. Sogar Geschenke gab es – Leon hat mir deutsches Bier (Becks) geschenkt und von mir hat er eine Art Süßigkeiten-Box für „Notfälle“ bekommen. Außerdem habe ich an Heiligabend noch Geschenke von meinen Eltern aufgemacht über die ich mich sehr gefreut habe.

Am 1. Weihnachtstag deutete alles darauf hin ein ganz normaler Tag zu werden. Nach nur einem Tag frei direkt wieder von 9 Uhr bis 17:30 Uhr arbeiten und zu Hause dann erstmal entspannen. Meine Mitbewohner und ich hatten eigentlich vorher geplant ein großes Weihnachtsessen am 25. Dezember zu veranstalten, jedoch kamen wir irgendwie nicht mehr dazu einzukaufen. Bis 19 Uhr saßen wir zu 5. in unserem Wohnzimmer und ärgerten uns ganzschön über unsere Dummheit. Aufeinmal öffnete sich jedoch die Haustür und unser Mitbewohner Steve aus England kam mit geschätzen 10 Tüten voller Lebensmittel in die Tür gestolpert. Irgendwie hatte er es doch noch auf die Reihe bekommen einzukaufen und wir veranstalteten tatsächlich noch ein Weihnachtsessen. Und es war sogar wirklich gut: Truthahn und Schinken mit Kartoffelbrei, Erbsen, Wurzeln und einer ziemlich guten Cranberry-Soße.


Achja, außerdem hatte ich meinen ersten Couchsufer zu besuch. Dave, mein alter Couchsurfing-Host aus Edmonton entschied sich über die Weihnachtstage nach Lake Louise zum Ski fahren zu kommen und ich bot ihm natürlich eine Couch an. Dass er hier sogar noch ein leckeres Weihnachtsessen bekommen würde, hätte er wohl selbst nicht erwartet. War auf jeden Fall mal ganz witzig so auf der anderen Seite des Couchsurfing-Prinzips zu agieren.

Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr waren arbeitstechnisch einfach nur stressig. Es hatte erneut jeder wieder nur einen Tag in der Woche frei und das Skigebiet war einfach absolut überfüllt. Ich glaub’ in der Cafeteria mussten manche Leute ungefähr 40 Minuten auf eine Portion Pommes warten, weil die Schlange so lang war. Glücklicherweise sind die großen Feiertage jetzt auch wieder vorüber und solch stressige Tage wird es vermutlich nicht mehr geben in dieser Saison.

An Silvester selbst hatte ich meinen nächsten freien Tag seit Heiligabend. Für 18 Uhr hatte ich mich mit einem Freund verabredet um ein Silvester-Essen zu kochen. Wir haben uns für eine riesige Nacho-Platte mit Hackfleisch und etlichen anderen Sachen entschieden. Es sah so gut aus, dass es fast zu schade zum Essen war.


Hat auf jeden Fall extrem gut geschmeckt. Danach waren wir beide dann bei einem anderen deutschen auf ein paar Bier eingeladen. War nicht die cleverste Idee die ca. 1km-Strecke ohne Mütze und Handschuhe zu gehen – es waren nämlich -30°C. War ganz amüsant an den Ort zurückzukehren an dem ich vor ungefähr 3 Monaten mal für 2 Wochen gewohnt habe. Hat viel Spaß gemacht und um etwa 22 Uhr sind wir dann wieder zurück nach Hause gelaufen um auf die große Party hier im Gemeinschaftsraum zu gehen. Waren sicherlich um die 150 Leute dort und der Jahreswechsel wurde demnach auch lautstark gefeiert. Ich glaub gegen 0:45 Uhr war für mich aber schon Ende, weil ich nächsten Tag wieder arbeiten musste und nicht mit dem größten Kater aufwachen wollte. Nunja, morgens fühlte ich mich dennoch ziemlich beschissen und der Tag zog sich ganzschön in die länge. Was war ich froh als ich um 18 Uhr wieder zu Hause in meinem Bett lag und mir einfach nur noch einen Film angeschaut habe.

Achja, das Resultat der Silvester-Wanderung bei -30°C ist eine ziemlich dicke Erkältung die ich neben dem Kater an Neujahr auch noch mit mir rumschleppen durfte…gestern habe ich mich den ganzen Tag auch noch völlig übermüdet und krank gefühlt, glücklicherweise geht es mir mittlerweile wieder etwas besser. Zum Glück ist jetzt mittlerweile wieder „Halbzeit“ in der jetzigen 6-Tage-Arbeitswoche…

Ich hoffe Eure ersten Tage in 2011 sind etwas gesünder verlaufen.
Haltet die Ohren steif,

Flo





Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten

Heiligabend, das Fest der Feste. Die Zeit ist ganzschön vergangen - vor einem Jahr habe ich mir den Kopf zerbrochen wie ich aus 6 Büchern über Japan's Ökonomie ein Meisterwerk von Hausarbeit basteln kann. Ich glaube es war der stressigste Schulabschnitt meines Lebens und somit wohl auch das anstrengendste Ende eines Jahres.

Genau ein Jahr später ist dies alles Geschichte und das Einzige worüber ich mir Gedanken mache, ist was ich heute Abend als großes Weihnachtsessen zu mir nehme - Fisch oder Geflügel? Es ist eben alles anders.

Auch wenn wir mittlerweile sogar einen geschmückten Tannenbaum und etwas Dekoration haben, hat Weihnachten "auswärts" einfach einen ganz anderen Stellenwert. Spätestens jetzt wird einem klar, dass 19 Jahre Gewohnheit, sowie Erinnerungen fest in einer Persönlichkeit verankert sind.

In diesem Sinne wünsche ich allen, vorallem aber meiner Familie, ein wundervolles Weihnachtsfest. Unvergesslich wird es vermutlich alle Male.





Freitag, 17. Dezember 2010

Von Subway zu McDonald's

Es hat also geklappt: Seit Montag arbeite ich in der Cafeteria im Gebäude nebenan. Nicht nur, dass sich meine Arbeitszeiten total verändert haben, auch die Arbeit an sich ist anders. Man könnte sagen ich bin vom Sandwichmaker zum Pommesrüttler „aufgestiegen“. Statt Muffins und Yoghurt bereite ich nun Hamburger, Pommes, Hot Dogs und eine große Auswahl an Frühstücksgerichten für hungrige Kunden zu. Wenn mal mehr zu tun ist bekommt jeder eine Station zugeteilt und ich hab am Montag einfach mal 3 Stunden lang Frikadellen, Würstchen und Geflügel auf dem Grill gewendet.

Da die Stationen auch mal durchgewechselt werden und somit jeder mal Burgerbrater wird, ist die Arbeit tatsächlich minimal abwechslungsreich. Am besten ist es eigentlich die Bestellungen anzunehmen, so hat man jedenfalls noch etwas Kundenkontakt und hat häufig die Gelegenheit mit wildfremden Menschen deutsch zu reden, da diese auf meinem Namensschild lesen, dass ich aus dem guten alten Büsum komme. Apropos Büsum, bevor ich nach Kanada kam war mir nie bewusst, wie weltberühmt meine Heimatstadt ist. Geschätzte 95% der Deutschen denen ich in den vergangenen 3 Monaten begegnet bin, kennen Büsum. Die Arbeitskollegen sind bisher auch sehr gut drauf und der Job ist wesentlich spaßiger als der vorherige. Der wohl einzige große Nachteil ist wohl, dass es nicht mehr so häufig freies Essen geben wird wie bevor. Najo, dafür kriege ich jetzt aber auch ein paar mehr Stunden zusammen und kann mir das dann wohl auch noch gerade selbst leisten.


Ich habe jedoch nach wie vor 3 Tage frei worüber ich mich momentan aber eigentlich nicht beschweren will, weil ich eben nicht mehr jeden Tag Ski fahren gehen kann. Heute ist auch quasi mein Sonntag, ich hatte nämlich die letzten 3 Tage frei und habe sie natürlich ordentlich zum fahren genutzt. Das Skigebiet sieht mittlerweile sehr gut aus, glaube inzwischen sind über 70 Abfahrten geöffnet und wie schon bereits gesagt, laufen jetzt auch alle 9 Lifte. Ist auch eine ganze Menge Schnee runtergekommen in letzter Zeit, wodurch es jetzt auch einige lustige Tiefschnee-Pisten gibt.


In Sachen Tiefschnee: Als vor einer Woche ein neuer Lift geöffnet wurde und ich unter den Ersten war, die damit hochgefahren sind, waren die Pisten dort oben natürlich relativ unbefahren. Als ich dann einfach mal im Tiefschnee hingefallen bin und einer meiner Ski sich von den Schuhen gelöst hat, haben wir zu 3. erstmal schön 20 Minuten lang im Schnee gebuddelt bis wir ihn gefunden haben…Wenn man in den Schnee eingesunken ist, steckte man ca. bis zum Bauchnabel im Schnee. War ziemlich witzig, aber andererseits auch leicht beängstigend. Seit ein paar Tagen wage ich mich hier eigentlich auch die schwarzen Pisten runter und bin bisher unverletzt davon gekommen. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt!


Am gestrigen Donnerstag kamen dann noch Sandy und Philipp aus dem etwa 70km östlich gelegenen Canmore zu besuch. Ich habe die beiden an meinem ersten Tag in Vancouver vor nun etwas über 3 Monaten kennengelernt und seitdem stehen wir eigentlich nach wie vor in Kontakt. Die beiden wollten mal schauen wie ich so lebe und ein bisschen über „alte Zeiten“ plaudern. Ich hatte auf jeden Fall einen lustigen Nachmittag am und in Lake Louise mit euch und hoffe, dass ich euch einen guten Einblick gewähren konnte. Achja, ich will doch stark hoffen, dass das Weihnachtsessen am 26. noch steht ;)


Das wars für diese Tage erstmal wieder, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns vor Heiligabend nochmal hören. Wenn dem nicht so ist, wünsche ich Euch allen fröhliche Weihnachten. Ich hoffe ihr habt die Möglichkeit an einem Tisch zu essen, der größer als unser 0,7m² Couchtisch ist.